FAZ 28.09.2026
14:40 Uhr

Hannah Herzsprung im Fragebogen: „Am freiesten fühle ich mich zu Fuß“


Gerade tritt Hannah Herzsprung in der fünften Staffel „Babylon Berlin“ auf. Im Stil-Fragebogen verrät die Schauspielerin, warum sie nichts online bestellt und immer einen Stapel Karten zu Hause hat.

Hannah Herzsprung im Fragebogen: „Am freiesten fühle ich mich zu Fuß“

Hannah Herzsprung hat in mehr als 50 Produktionen mitgespielt. Es ist schwierig, keinen Lieblingsfilm mit der Fünfundvierzigjährigen zu haben. Besonders wichtig waren für die Schauspielerin, wie sie an einem verregneten Tag in einem Restaurant in Paris erzählt, die Filme mit Regisseur und Autor Chris Kraus. In „Vier Minuten“ verkörperte sie 2006 die Gefängnisinsassin Jenny von Loeben, eine junge Frau mit Aggressionsproblemen und außergewöhnlicher Begabung am Klavier. Dafür übte Herzsprung, die in einem Dorf in Bayern aufgewachsen ist, wie besessen. In der ARD war sie gerade in der fünften Staffel von „Babylon Berlin“ zu sehen, und am 1. Oktober kommt „Corpus Delicti“ in die Kinos, die Verfilmung des Juli-Zeh-Romans, in der sie die Hauptrolle spielt. In Paris ist sie am Tag unseres Gesprächs als Zuschauerin geladen: Es ist die Woche der Haute Couture, gerade saß sie in der ersten Reihe beim Defilee von Chanel. Das Können des Designers Matthieu Blazy kann man auch an Herzsprung bewundern: Sie trägt ein schwarzes Ensemble aus Shirt und Rock aus der Frühjahrskollektion, dazu eine knallrote Korallenkette. „C'est Chanel“, sagt sie, lacht und nippt an ihrer Cola. Was essen Sie zum Frühstück? Heute früh hatte ich ein Avocado-Brot mit richtig gutem Sauerteigbrot. Zu Hause esse ich morgens gerne Brot mit Käse. Und Espresso darf nicht fehlen. Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein? Am liebsten auf Reisen. Ich liebe es, durch fremde Städte zu schlendern und in kleinen Boutiquen etwas zu entdecken. Gerne auch in Secondhand-Läden. Das erinnert mich dann an den Aufenthalt. Ich muss ein Kleidungsstück in der Hand halten, darum bestelle ich eigentlich nichts online. Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank? Ein Nadelstreifen-Hosenanzug von Kiton. Meine Mutter hatte früher ein Geschäft für Herrenmode und hat ihn dort schon selbst getragen. Der ist bestimmt 40 Jahre alt. Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst? Vor Weihnachten. Ich schreibe jedes Jahr Weihnachtskarten. Das ist mir total wichtig, dann beschäftige ich mich auch noch einmal wirklich mit dem Menschen. Ich bin sowieso ein haptischer Mensch. Ich kann an keiner Papeterie vorbeigehen, und ich habe immer einen Stapel Karten zu Hause. Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt? Tatsächlich eines der letzten, die ich gelesen habe. „Die Sonne und die Mond“ von Chris Kraus. Er hat einen unfassbar tollen Roman geschrieben, der mich sehr berührt hat. Es geht um Freundschaft und Trauer, aber er ist auch sehr lebensbejahend. Er hat so eine Wortgewalt, dass einem beim Lesen gleich Bilder im Kopf entstehen. Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen? Hauptsächlich über Online-Medien, ich habe verschiedene Apps von Zeitungen. Und auch einfach über den Austausch mit Menschen. Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema? Reisen. Ich glaube, jeder Mensch reist gerne. Es muss ja nicht immer weit weg sein, auch ein Theaterbesuch ist eine kleine Reise. Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint? Bei „Hamnet“ von Chloé Zhao. Sind Sie abergläubisch? Ein bisschen, aber nicht ernsthaft. Ich glaube an Glücksbringer und klopfe auf Holz. Worüber können Sie lachen? Über Situationskomik. Ich habe oft Loriot-Momente. Und über mich selbst, ich bin sehr selbstironisch. Ihre Lieblingsvornamen? Ich mag kurze Vornamen wie Ella und Paul. Machen Sie eine Mittagspause? Ich versuche es, weil ich finde, das erdet den Tag. Ich bin ein Morgenmensch, da erledige ich immer viel. Während des Filmdrehs geht es früh los, so dass die Mittagspause ein Moment zum Durchatmen ist. Und oft auch das erste Mal, dass ich etwas esse. In welchem Land würden Sie am liebsten leben? Oh, da habe ich keine konkreten Wünsche. Vielleicht die Schweiz? Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank? Zitronen. Morgens trinke ich als erstes Zitronenwasser. Zitronen kommen bei mir an alles. Und Käse habe ich auch immer da. Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier? Am freiesten fühle ich mich zu Fuß. Da bin ich nicht abhängig von etwas, und man erlebt die Distanz wahrhaftiger. Ich höre gerne Musik oder telefoniere dabei. Was ist Ihr größtes Talent? Zuhören. Ich möchte immer so viel erfahren über die Menschen. Am liebsten würde ich zum Beispiel Ihnen jetzt ein paar Fragen stellen. Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist? Hm. Manchmal bleibe ich zu lange wach, obwohl ich schlafen gehen müsste. Das ist aber wohl eine sehr vernünftige Antwort. Welche historische Person würden Sie gerne treffen? Ich glaube, mit Frida Kahlo zu sprechen wäre sehr ehrlich und leidenschaftlich und gar nicht oberflächlich. Das ist für mich das Schönste: aus einem Gespräch herauszugehen und die Person wirklich erlebt zu haben. Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr? Ich trage sehr gerne eine Uhr, weil ich dann nicht ständig aufs Telefon schauen muss. Haben Sie einen Lieblingsduft? Ich mag gerne holzige Düfte. Ich liebe die Parfums von Le Labo. Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis? Eine Reise mit Beduinen in Marokko. Wir waren eine Woche in der Wüste unterwegs, mit zwei Dromedaren. Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt? Das war Madonna in Berlin. Was fehlt Ihnen zum Glück? Ehrlich gesagt fehlt mir nicht so viel zum Glück. Ein bisschen mehr Zeit, das wäre schön. Was trinken Sie zum Abendessen? Wasser. Eine Cola trinke ich nur gelegentlich, aber nicht am Abend.