FAZ 18.03.2026
17:04 Uhr

Fußballpräsident im Fokus: Laporta und das neue Barça


Joan Laporta bleibt der starke Mann beim FC Barcelona. Weil der Klub die Sehnsucht nach den Messi-Jahren endgültig überwunden hat. Seine Wiederwahl dürfte auch Hansi Flick freuen.

Fußballpräsident im Fokus: Laporta und das neue Barça

Joan Laporta war überall. Der 63-Jährige stellte sich für Selfies neben Vereinsmitglieder, begleitete Politiker wie Kataloniens langjährigen ehemaligen Regierungschef Jordi Pujol an die Wahlurne, unterhielt sich mit Danny Cruiff, der Witwe von Johan Cruyff und freute sich über Fußballer, Basketballer, Trainer, darunter auch Hansi Flick, die ebenfalls ihre Stimme abgaben. Laporta war einer von zwei Kandidaten für das Amt des Präsidenten des FC Barcelona, der zweite war der Unternehmer Víctor Font. Doch der fiel kaum auf. Joan Laporta hingegen gab den großzügigen Gastgeber, siegesgewiss. Dann gewann er auch das Rennen mit 68 Prozent der fast 50.000 abgegebenen Stimmen. Font umarmte den Gewinner und gab ihm einen Auftrag mit auf den Weg: „Und jetzt die Champions!“, und tatsächlich sagte Laporta in seinem Übermut: „Wer soll uns jetzt noch aufhalten!“ Trotz der Hochstimmung ist es bis zum Finale in der Puskás-Arena in Budapest noch ein weiter Weg. Zunächst muss Barça erst einmal das Rückspiel im Achtelfinale gegen Newcastle United (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) gewinnen, was beim Hinspiel nicht geklappt hat. Von dort brachten die Katalanen nur ein glückliches 1:1 mit nach Hause, das Lamine Yamal mit einem Foulelfmeter in der 96. Minute noch gerettet hatte. In La Liga hat sich die Mannschaft von Hansi Flick nach einer Schwächephase die Tabellenführung wieder zurückgeholt, steht nun wieder vier Punkte vor Real Madrid. Vom guten Zustand des Teams konnte sich am Sonntag auch Laporta überzeugen: Beim Heimspiel zerlegte Barça unter den Augen des Präsidentschaftskandidaten den FC Sevilla mit 5:2. Dabei zeigte sich vor allem Raphinha mit drei Treffern in überragender Form. Nationalspieler Gavi kehrte nach seiner schweren Knieverletzung im August auf den Rasen zurück, wo Regisseur Pedri nach einer Oberschenkelverletzung immer besser ins Spiel findet. Die Chancen für ein Weiterkommen ins Viertelfinale stehen also gut, zumal gegen Newcastle immerhin wieder rund 62.500 Zuschauer ins Camp Nou dürfen. Bislang war die Zahl der Plätze auf der Dauerbaustelle auf 45.000 begrenzt. So geht von Barça seit sehr langer Zeit wieder so etwas wie Aufbruchsstimmung aus, und Laporta gilt wieder einmal als der Architekt dieser Entwicklung. Schon in seiner ersten Amtszeit von 2003 bis 2010 hatte er mit Frank Rijkaard und Pep Guardiola zwei Trainer engagiert, mit denen der Verein fünf Meisterschaften und drei Champions League-Titel gewann – mit einem Team um Lionel Messi, Xavi Hernández und Andrés Iniesta, wovon sie in Barcelona noch heute schwärmen. So sehr, dass viele lange nicht wahrhaben wollten, dass diese Zeit endgültig vorbei war. Messi verließ den Klub 2021 in Richtung Paris. Der hochverschuldete FC Barcelona konnte den Spieler nicht mehr bezahlen. Präsident mit Messi-Makel Zu diesem Zeitpunkt war Joan Laporta nach zehn Jahren wieder Präsident des Vereins. Seither stand er unter dem Makel, der Vorsitzende zu sein, der Messi weggeschickt hat. Und im Wahlkampf um eine weitere Amtszeit sollte er auch der Schuldige dafür werden, dass der Argentinier nicht zurückgekommen ist. Im Januar 2023 hätten der Verein und Leo Messi sowie dessen Vater eine Rückkehr nach Barcelona vereinbart, Laporta habe dies letztlich verhindert. Das sagte Xavi Hernández letzte Woche in einem Interview mit der katalanischen Tageszeitung La Vanguardia. „Leo würde dem Team helfen, mehr Tore zu schießen, die letzten Pässe spielen“, schwärmte Hernández, aber der Präsident habe einen Rückzieher gemacht, weil ein unter Fans fast gottgleicher Messi im Verein eine zu große Macht neben Laporta dargestellt hätte. Laporta dementierte diese Aussage sofort. Überraschenderweise haben ihm Xavis Aussagen ohnehin nicht geschadet. Die Barça-Psychologie hat sich geändert. Die Stimmen für Laporta zeigen, dass auch die Vereinsmitglieder die Melancholie über das Ende der glorreichen Jahre überwunden haben und die sportliche Realität längst nicht mehr so trostlos empfinden wie noch vor wenigen Jahren. Laporta hatte in seinem im Februar zu Ende gegangenen ersten Mandat dieser Präsidentschaft Hansi Flick in die katalanische Hauptstadt geholt und setzt auf viele junge Spieler aus der eigenen Jugend, ergänzt um einige wenige, vergleichsweise günstige Zukäufe, wie etwa 2022 Raphinha und Robert Lewandowski, zwei Jahre später Dani Olmo oder zuletzt Abwehrspieler João Cancelo. Hansi Flick, der sich öffentlich für Laporta ausgesprochen hatte, sitzt mit Laportas dritter Amtszeit nun noch ein bisschen fester im Sattel beim FC Barcelona. Kurz nach seiner Wiederwahl verriet Laporta beim Sender „RAC1“, dass man Flicks zum Ende der kommenden Saison auslaufenden Vertrag verlängern wolle. „Ich würde mich sehr freuen, wenn er die nächsten fünf Jahre bleiben würde.“ Die Aussicht, dass in zwei Jahren endlich das überdachte Camp Nou für 105.000 Zuschauer fertiggestellt sein soll, und der attraktive Fußball, den ihnen Hansi Flicks Team präsentiert, lässt die Mitglieder auf eine neue erfolgreiche Ära hoffen. Das Double aus Meisterschaft und Königspokal aus der Vorsaison sowie die beiden Superpokale nach Finalsiegen gegen Real Madrid sollen nur ein Vorgeschmack sein – vielleicht auf den Titel in der Champions League? Die damit verbundenen Einnahmen könnte der Klub gebrauchen. Denn trotz allem Optimismus: Wirtschaftlich hat sich die Situation Barças nicht gebessert. Der Verein hat mit dem Stadionumbau auch nach der Wiederwahl Laportas Schulden von rund 2,5 Milliarden Euro.