Wie? Fila? Ja, Fila. Nicht der Fila von vor fünf Jahren, als jeder plötzlich einen weißen Chunky-Sneaker mit rotem Logo trug und es sich nach sechs Monaten schon wieder anfühlte wie ein Fehler, sondern der Fila mit echter Sportgeschichte. Gegründet 1911 in den italienischen Alpen, ursprünglich Unterwäsche für Bergarbeiter, später Sportswear. Björn Borg trug Fila auf dem Tennisplatz. Das ist die Geschichte, auf die der Slantshot aufbaut. Was ist der Slantshot genau? Im Kern: ein Tennisschuh mit diesem klaren, leicht kantigen Achtziger-/Neunzigerjahre-Charme. Keine Hightech-Ästhetik, keine aggressiven Linien – eher solide, sportlich, ein bisschen oldschool. Die Form ist breit genug, um lässig zu wirken, aber nicht so klobig, dass sie alles erschlägt. Warum funktioniert Leomuster ausgerechnet auf so einem Sportschuh? Weil der Rest des Schuhs so „ordentlich“ ist. Leo darf hier die Show machen, ohne dass gleich das ganze Outfit in Richtung Kostüm kippt. Er sagt nicht „Schaut her“. Er sagt eher: „Ja, das ist Leo. Und?“ Kann man Leomuster überhaupt noch tragen? Ja – aber nur, wenn man es nicht wie eine Debatte behandelt. Leo ist inzwischen so oft wiedergekommen, dass es weniger Trend als Reflex ist: kurz peinlich, dann wieder normal, dann wieder überall. Am besten funktioniert es, wenn der Rest absichtlich langweilig aussieht: weite Jeans, grauer Hoodie, weißes T-Shirt, schwarzer Mantel. Leo ist dann nicht das Thema, sondern der kleine Störer im Bild. Genau so trägt man es am entspanntesten. Und wie stylt man den? Erstaunlich simpel: einfarbig drumherum und fertig. Der Schuh ist schon genug, also muss der Rest nicht auch noch „mitreden“. Gute Kombis sind Denim in allen Blautönen, in Grau, Beige, Schwarz – und ja, auch Braun, wenn man es warm halten will. Wer mutig ist, kann mit Rot arbeiten, aber bitte so, dass es nach Zufall aussieht. Für welche Anlässe taugt der Slantshot in Leo? Für alles, was Alltag ist – und genau da macht er am meisten Spaß. Supermarkt, Büro (wenn's geht), Bahnsteig, Wochenendspaziergang, Café. Das ist kein Sneaker für den großen Auftritt, eher für den schnellen. Man wird darauf angesprochen, aber nicht so, dass man sich erklären muss. Und wer trägt so etwas? Leute, die nicht jedes Outfit neu erfinden wollen, aber auch keine Lust auf Unsichtbarkeit haben. Der Slantshot ist ein kleiner Shortcut: Man zieht etwas Simples an und lässt den Schuh den Rest erledigen. Aylin Güler
