FAZ 10.03.2026
19:05 Uhr

Fastenmonat in der Werbung: Wie der Handel den Ramadan für sich entdeckt


Ikea, McDonald’s, Katjes: Viele Unternehmen schalten während des Ramadans darauf zugeschnittene Werbung. Auch wenn das polarisiert, gerade im Internet.

Fastenmonat in der Werbung: Wie der Handel den Ramadan für sich entdeckt

Katjes wünscht auf Arabisch ein „Frohes Fastenbrechen“, McDonald’s einen „Happy Ramadan“. Ikea bietet eine Extrakollektion zum Fastenmonat der Muslime, mit der „du den besonderen Monat in vollen Zügen genießen“ kannst, wie es auf der Internetseite des Unternehmens heißt. Kein Zweifel: Der Handel hat den Ramadan für sich entdeckt. Die Hessen sind da keine Ausnahme. „Angefangen hat der Lebensmittelhandel“, blickt Funda Bakan vom Handelsverband Hessen zurück. Zunächst bestellten türkische und arabische Händler zur Fastenzeit größere Mengen der gefragten Produkte wie etwa leicht verdauliche Datteln oder Joghurt. Zum Fest des Fastenbrechens stockten sie dann ihr Angebot an Süßigkeiten sowie Backwaren auf und boten dabei auch allerlei besondere Speisen an. Schließlich wird das Fastenbrechen bei den Muslimen zelebriert: Die Mahlzeiten sind opulent, auch viele Süßigkeiten und große Mengen von gebackenen Leckereien stehen auf den Tischen. In Deutschland gehört Ikea zu den Vorreitern im Handel Seit etwa zwei bis drei Jahren ziehen weitere Händler in Hessen vermehrt nach. Nun werden in ihren Geschäften neben den entsprechenden Lebensmitteln auch etwa Dekoartikel wie Kalender, Kerzenständer oder Produkte mit Ramadan-bezogenen Aufschriften angeboten. Diese Läden finden sich vor allem in den Städten mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil. Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams – der Grundpflichten der Religion. Der Beginn des Fastenmonats wird traditionell durch das Erscheinen der Neumondsichel bestimmt, was je nach geographischer Lage zu leichten Abweichungen führen kann. Für die Muslime in Deutschland begann der Ramadan dieses Jahr am Donnerstag nach dem Aschermittwoch. Während des Ramadans verzichten gläubige Muslime jeden Tag von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Abends kommen die Menschen traditionell zusammen, um das Fasten zu brechen. Die Fastenzeit endet dieses Jahr am 19. März, am 20. März beginnt das dreitägige Ramadanfest. Zu den Vorreitern im Handel gehört in Deutschland etwa Ikea. Die entsprechende Kollektion sei seit 2023 Bestandteil des festen jährlichen Sortiments, teilt das Unternehmen in Hofheim-Wallau mit. Angeboten werden etwa Geschirr, Kissenbezüge und Kerzenständer. Damit soll während und nach dem Ramadan eine „ruhige, zugleich festliche Atmosphäre“ geschaffen werden. Auch McDonald’s hat bereits 2023 auf den Ramadan gesetzt, das Fast-Food-Unternehmen organisierte damals zu Beginn der Fastenzeit der Muslime eine eintägige Marketingkampagne. Die Motive mit einer je nach Tageszeit gefüllten oder leeren Pommestüte sorgten aber erst in diesem Jahr für Aufregung in den sozialen Netzwerken: Rechtsextreme hatten im Netz Bilder der Kampagne verbreitet und sich über eine „Islamisierung“ beklagt. „Muslimische Feiertage scheinen im Internet häufig zu polarisieren“, weiß auch Bakan vom hessischen Handelsverband. Manchmal gebe es auf entsprechende Posts von Händlern negative Kommentare – allerdings auch viele positive Reaktionen. Einen Rückzieher von seinem Sortiment rund um den Ramadan habe jedoch noch kein Händler gemacht.