Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht nach Juni abermals die Leitzinsen, um 0,25 Prozentpunkte. Das ist keine Überraschung. An den Finanzmärkten war das weitgehend erwartet worden. Trotzdem war der Schritt nicht unumstritten. Er ist aber richtig. Zwei Argumente wurden angeführt, warum die EZB jetzt nichts tun sollte. Das erste lautet: Es ist vor allem der Ölpreis, der die Inflation so hochgetrieben hat. Gegen teures Öl aber kann die Notenbank wenig machen, sie hat ja keine Fässer im Keller eingelagert, mit denen sie das Ölangebot ausweiten könnte. Das zweite Argument lautet: Konjunktur und Nachfrage sind so schwach, dass es den Unternehmen nicht gelingen wird, die höheren Energiekosten in Form höherer Preise an ihre Kunden weiterzugeben. Am ersten Argument ist natürlich was dran. Der Einfluss der EZB über die Zinspolitik auf den Ölpreis ist, wenn es ihn überhaupt gibt, sehr indirekt. Aber das ist auch gar nicht das Ziel der Operation. Aufgabe der EZB ist es, zu verhindern, dass durch den gestiegenen Ölpreis die Inflation aus dem Ruder läuft. Seit sechs Monaten liegt die Inflationsrate jetzt über dem Ziel von zwei Prozent, zuletzt belief sie sich auf 3,3 Prozent. Das ist einfach zu viel. Zwei Einflussmöglichkeiten der EZB Die Notenbank kann durch entschlossenes Handeln kurzfristig die Inflationserwartungen beeinflussen und verhindern, dass überhöhte Inflationserwartungen die Preispolitik der Unternehmen und die Lohnverhandlungen prägen. Auf etwas längere Sicht kann sie über höhere Zinsen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen. Auf das zweite Argument, die schwache Konjunktur, sollte man sich zumindest nicht zu sehr verlassen. Die Erfahrungen aus der Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) nach der zweiten Ölkrise haben gelehrt, dass ein schwaches Wirtschaftswachstum und selbst eine Stagnation für unerfreulich lange Zeit mit Inflation einhergehen können. Und die Wirtschaft im Euroraum hat sich zuletzt widerstandsfähiger gezeigt als erwartet. Zudem gibt es viele Umfragen über Pläne von Unternehmen, die erkennen lassen, dass es noch Preisdruck in der Pipeline gibt. Das Ifo-Institut leitet daraus fürs nächste Jahr eine Prognose von drei Prozent Inflation in Deutschland ab. Für eine Entwarnung ist es zu früh.
