Sie ist mit 107 Metern über dem Talgrund bis heute die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Der Bau der Müngstener Brücke sorgte schon Ende des 19. Jahrhunderts, genauer von 1894 und 1897, für eine Sensation. Denn der 170 Meter weit spannende Stahlbogen entstand im Freivorbau ohne Lehrgerüst. Ausgeführt wurde der Stahlfachwerkgigant, bis 1918 als Kaiser-Wilhelm-Brücke bekannt, von der Brückenbauanstalt Gustavsburg der MAN. Rheinbrücke Worms Eisenbahn auf Siegfrieds Spuren: Die historisch bedeutende Stadt Worms wurde 1815 dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Um die Residenz Darmstadt mit dem Industriestandort am Rhein zu verbinden, wurde die damalige Riedbahn gebaut, aber nur bis ans rechtsrheinische Ufer. 30 Jahre lang setzte man mit einer Fähre (Trajekt) über den Fluss, bis 1900 die Brücke mit ihren Bogenfachwerkträgern eingeweiht wurde. Sonnborner Brücke und Ravennaviadukt In Wuppertal wird auf dieser Postkarte von 1915 (oben) die Eisenbahn auf der im Vorjahr eröffneten Sonnborner Brücke von drei weiteren Verkehrsmitteln begleitet: der 1901 in Betrieb genommenen Schwebebahn, der Straßenbahn und einem Luftschiff. Aus den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts stammt die erste Ravennabrücke im Höllental (unten). Sie wurde als filigrane Konstruktion mit aus Sandstein gemauerten Pfeilern und Stahlfachwerkoberbau errichtet. Die heutige Brücke mit ihren neun Bögen wurde 1927 eröffnet, ihre Pfeiler ruhen auf Fundamenten aus Stampfbeton. Kölner Dombrücke Die 400 Meter lange Kölner Dombrücke wurde 1859 in Betrieb genommen, volle 21 Jahre vor der Vollendung des Doms. Diese erste feste Rheinbrücke der Neuzeit nördlich von Basel verband die noch jungen Eisenbahnnetze links und rechts des Stroms, gleichzeitig diente sie als Straßenbrücke. Die Konstruktion aus schmiedeeisernen Gitterträgern bewährte sich zwar technisch unter den dynamischen Lasten des Bahnverkehrs. Dessen schieres Volumen machte jedoch den Ersatz durch die 1911 eröffnete Hohenzollernbrücke notwendig. Die Wutachbrücke Die Wutachbrücke auf der 1890 eröffneten Bahnstrecke von Lauchringen durch den Schwarzwald nach Hintschingen besteht aus drei sogenannten Fischbauchträgern mit geradem Obergurt und konvexem Untergurt. Ein anderer Vergleich mit tierischer Physiognomie liegt dem umgangssprachlichen Namen des kurvenreichen ersten Teils der Trasse zugrunde: Er wird Sauschwänzlebahn genannt. Gebaut wurde die Wutachtalbahn aus strategischen Gründen, also mit dem Gedanken militärischer Nutzung. Jörg Koch spürt in seinem Buch „Deutsche Eisenbahnbrücken in historischen Ansichten“ der zeitgenössischen Faszination für diese Ingenieurbauten nach. Ansichtskarten zeugen von der Identifikation mit den Konstruktionen und sind zugleich Erinnerung an zahlreiche zerstörte oder durch Neubauten ersetzte Brücken. Das Buch stellt 135 Brücken mit rund 150 Abbildungen auf 160 Seiten vor und kostet 29,90 Euro.
