FAZ 08.05.2026
17:46 Uhr

Einsatz in Sinzig: Polizei: Prüfen, ob es wirklich Geiselnahme war


Am Morgen war die Polizei in Sinzig wegen einer Geiselnahme in einer Bank alarmiert worden. Zwei Menschen konnten unverletzt aus dem Gebäude gebracht werden. Der oder die mutmaßlichen Täter sind offenbar entkommen.

Einsatz in Sinzig: Polizei: Prüfen, ob es wirklich Geiselnahme war

War es eine Geiselnahme in der Bankfiliale in Sinzig? Nachdem die Polizei nach stundenlangem Warten zwei Menschen aus einem verschlossenen Raum befreit hat, laufen die Ermittlungen zur Tat und dem genauen Ablauf. „Wir sind über den Tag von einer Geiselnahme ausgegangen“, sagte ein Polizeisprecher. Ob die Tat mit den aktuellen Erkenntnissen weiterhin so bezeichnet werden könne, müsse geklärt werden. Ein Tatbestand sei Freiheitsberaubung. Ob auch Raub dazuzähle, gab der Sprecher nicht an. Der Unterschied zwischen einer Geiselnahme und Freiheitsberaubung liegt vor allem in der zusätzlichen Nötigungskomponente und den Forderungen, die bei einer Geiselnahme hinzukommen. Die Polizei war am Freitagmorgen mit einem Großaufgebot zu einer VR-Bankfiliale im rheinland-pfälzischen Sinzig ausgerückt. In einer ersten Pressemitteilung am Vormittag hatte es geheißen, man sei über eine Geiselnahme informiert worden. Das Gebiet um die Bank wurde großräumig abgesperrt. Den Ermittlungen zufolge passte mindestens ein männlicher Täter, der mit einem weißen Overall – ähnlich einem Imkeranzug – bekleidet war, gegen 09.00 Uhr den Fahrer eines Geldtransporters ab und entwendete diesem einen Behälter mit Bargeld. Anschließend wurden zwei Menschen, darunter der Mitarbeiter des Transportunternehmens, durch den oder die Täter in einem separaten Raum in der Bankfiliale eingeschlossen. Bei dem zweiten Betroffenen soll es sich Medienberichten zufolge um einen Bankmitarbeiter gehandelt haben. Keine Verdächtigen am Tatort angetroffen Gegen 15 Uhr teilten die Beamten schließlich mit, dass zwei Personen unverletzt aus dem Gebäude befreit wurden. „Soeben wurde die Bank sowie die im Gebäude befindlichen Wohneinheiten in Sinzig durch Spezialkräfte der Polizei betreten und nach potentiellen Tätern durchsucht“, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Dabei habe man zwei Personen aus einem verschlossenen Raum befreien können. Tatverdächtige trafen die Beamten jedoch nicht an. Wie es in der Mitteilung um 15 Uhr hieß, sehe es danach aus, „dass sich der oder die Täter unmittelbar nach Einschließen der Personen in den Tresorraum auf bislang nicht bekanntem Weg vom Tatort entfernt hat bzw. haben“. Nach seinem Kenntnisstand habe die Polizei keinerlei Kontakt mit den Tätern gehabt, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Es könne sein, dass diese gleich nach der Tat das Gebäude verlassen hätten. Der Notruf sei automatisiert eingegangen. Eine Fahndung im Nahbereich verlief zunächst ergebnislos, wie ein Polizeisprecher vor Ort sagte. Er gehe davon aus, dass von dem Täter oder den Tätern keine Gefahr ausgehe, betonte der Sprecher. Während des Einsatzes hatte die Polizei nur wenige Informationen veröffentlicht, um den mutmaßlichen Tätern keine Vorteile zu verschaffen. Wie sie mittags zunächst mitteilte, sei von „mehreren Tätern und Geiseln in der Bank auszugehen“. Bei einer Geisel handele es sich um den Fahrer eines Geldtransporters. Sinzig liegt im Kreis Ahrweiler, etwa 35 Autokilometer nordwestlich von Koblenz und rund 25 Kilometer südlich von Bonn. In der Stadt leben rund 17.000 Menschen.