Das Ebolavirus breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo weiterhin rasant aus. Wie Africa CDC, die Gesundheitsagentur der Afrikanischen Union (AU), am Donnerstag mitteilte, wurden seit Mai mehr als 8000 bestätigte Fälle und 4000 Todesfälle gemeldet, wobei die tatsächlichen Zahlen wegen Lücken bei der Überwachung und Fallerfassung wahrscheinlich weitaus höher liegen. Anfangs seien in drei sogenannten Gesundheitszonen Fälle aufgetaucht, mittlerweile seien 63 Zonen betroffen. „Wir können noch nicht mit Überzeugung sagen, dass der Ausbruch unter Kontrolle ist“, sagte Wessam Mankoula, Epidemiologe und kommissarischer Abteilungsleiter für Notfallvorsorge in der Africa-CDC. Der Ausbruch sei zu diesem Zeitpunkt, gemessen an der Zahl der Infektionen, fast fünfmal schlimmer als alle vorigen Ebolaausbrüche in West- und Zentralafrika. Impfstoff als Hoffnungsträger Mittlerweile wurden mehr als 7000 Menschen, insbesondere Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Helfer, geimpft. Es sei aber noch zu früh, um über die Wirksamkeit des Impfstoffes eine Aussage machen zu können, hieß es. 50.000 Dosen des Impfstoffes Ervebo wurden in die betroffenen Gebiete geliefert. Diese Vakzine wurde allerdings gegen die bekanntere Zaire-Variante entwickelt. In Ostkongo grassiert die seltene Bundibugyo-Variante, gegen die es noch keine spezifischen Impfstoffe und Therapien gibt. Auf den ersten Blick zeichnet sich in den Daten der vergangenen drei Wochen eine Besserung ab. Aus Sicht der Epidemiologen aber müsse der Rückgang der Infektionen mit Vorsicht interpretiert werden. Die angespannte Sicherheitslage in einigen Gebieten, wo bewaffnete Milizen kämpfen, könnte eine Rolle spielen wie auch Widerstände in der Bevölkerung. Viele Menschen bestreiten die Existenz des Virus und sträuben sich gegen Sicherheitsauflagen, vor allem im Zusammenhang mit Beerdigungen. Ein lokaler Politiker und Parlamentsabgeordneter wurde am vergangenen Wochenende in der Provinz Nordkivu zu Tode geprügelt, nachdem er im Radio die Maßnahmen der Regierung gegen Ebola verteidigt hatte. In der Provinz ist die Sterblichkeit mit 59 Prozent der Fälle am höchsten. Eine weitere Herausforderung sei ein rückständiges Meldewesen mit Papierformularen in vielen Dörfern, hieß es weiter. Um Behörden und Gesundheitsstationen an ein elektronisches System anzubinden, würden unter anderem Lizenzen für das Satellitensystem Starlink, Tablets und Mobiltelefone bereitgestellt. „Zu Beginn des Ausbruches verbreitete sich das Virus schneller als die Informationen“, sagte Mankoula. Jetzt hole man auf. Einreisestopps sind „kontraproduktiv“ Die Africa CDC appellierte an die internationale Gemeinschaft abermals, den Kampf gegen das Virus zu unterstützen. Knapp drei Milliarden Dollar seien bisher für die Bekämpfung des Ebolaausbruchs von den Staaten der G-20-Gruppe zusagt worden, aus Deutschland sind es 127 Millionen Dollar. Zusagen allein aber reichten nicht, die Hilfen müssten auch vor Ort wirksam werden. Parallel zu den Hilfen haben mehr als 20 Staaten Einreisebeschränkungen oder Quarantänevorschriften für Einreisende aus Kongo erlassen. Die Experten der Africa CDC halten das für kontraproduktiv. „Wir appellieren an die Regierungen, solche Restriktionen aufzuheben. Sie schicken die falsche Botschaft.“ Wenn harsche Reiserestriktionen bestünden, hielten sich Regierungen zurück, Ausbrüche zu melden. Um den Ebolaausbruch zu bekämpfen, seien hingegen Transparenz und schnelle Reaktionsfähigkeit nötig. Das Ebolavirus verbreitet sich nicht über die Luft, sondern über Körperflüssigkeiten.
