FAZ 05.10.2026
15:19 Uhr

Die Pläne von Anta Sports: Mit Jack Wolfskin wollen die Chinesen hoch hinaus


Die Outdoormarke Jack Wolfskin hat im vergangenen Jahr ein chinesischer Sportartikelkonzern übernommen. In der neuen Firmenzentrale in Eschborn wurden jetzt die neue Kollektion und das Geschäftskonzept vorgestellt.

Die Pläne von Anta Sports: Mit Jack Wolfskin wollen die Chinesen hoch hinaus

Die Wolfstatze gehört nun den Chinesen. Mit dem einst führenden Outdoor-Spezialisten Jack Wolfskin haben die neuen Besitzer viel vor. Finanzvorstand Yongchao Huang sitzt am Donnerstagabend in der zukünftigen globalen Firmenzentrale in Eschborn. Er trägt eine schwarz-gelbe Jacke der eigenen Marke und wirkt im F.A.Z.-Gespräch gelassen. Für zehn Jahre hat Jack Wolfskin rund 6000 Quadratmeter Bürofläche im Gebäude Mergenthaler im Gewerbegebiet Süd gemietet. Hier sollen rund 260 Mitarbeiter beschäftigt werden. „Wir verfolgen eine langfristige Strategie“, sagt er. 30 Jahre lang hatte die Outdoormarke ihren Sitz in Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis. Das 1981 in Frankfurt gegründete Unternehmen hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Im Jahr 2011 stieg der amerikanische Finanzinvestor Blackstone mit 700 Millionen Euro ein. Jedoch scheiterte die Expansion ins Ausland. Die Folge: hohe Schulden. Deshalb wurde Jack Wolfskin an eine Gruppe von Hedgefonds übergeben. 2019 wurde die Marke vom Golfsportspezialisten Topgolf Callaway Brands übernommen. Die Amerikaner bezahlten damals umgerechnet 418 Millionen Euro. Im April 2025 verkauften sie Jack Wolfskin nach China, um sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Der Sportartikelkonzern Anta Sports zahlte 262 Millionen Euro. Nach den Giganten Nike und Adidas ist das chinesische Unternehmen der drittgrößte Sportartikelhersteller der Welt. Seinerzeit wurde erklärt, dass man mit der Übernahme das Outdoorsegment ausbauen wolle: „Die Integration von Jack Wolfskin ist ein weiterer Schritt in unserer globalen Expansionsstrategie.“ „Eine Marke mit deutscher DNA ist für uns ein echter Vorteil“ International ist Anta Sports bisher vor allem durch die finnische, an der New Yorker Börse gelistete Tochter Amer Sports bekannt. 2019 stieg Anta als Teil eines Konsortiums ein. Dahinter stecken Marken wie Atomic, Salomon, Wilson und die Outdoorunternehmen Peak Performance und Arcteryx. Nun gibt es mehr als 500 Jack-Wolfskin-Geschäfte auf der Welt, wobei sich mehr als die Hälfte in Asien befindet. In Deutschland betreibt Jack Wolfskin rund 130 Geschäfte, in Europa sind es insgesamt etwa 240. Generell setzt Anta auf Expansion in der Sportartikelbranche. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. „Jack Wolfskin ist eine deutsche Marke mit einer starken deutschen Outdoortradition. Wir wissen, dass unsere Kunden die deutsche Ingenieurskunst hinter unseren Produkten schätzen“, sagt Manager Huang. „Deutsche Ingenieurskunst“ genieße unter vielen Verbrauchern in China ein großes Vertrauen. „Eine Marke mit deutscher DNA ist für uns ein echter Vorteil.“ Gleichwohl weist er auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie hin: „Die Outdoorbranche ist von den Herausforderungen konfrontiert gewesen, als weltweite Störungen der Lieferketten zu übermäßigen Lagerbeständen im gesamten Markt führten.“ Daher werde sich Jack Wolfskin auf die Markenstrategie in Europa und auf die Wachstumsmärkte in China konzentrieren. „Wir haben unseren Fokus verloren“ Konkrete Zahlen will Huang nicht nennen. Zu den Problemen des zuvor strauchelnden Outdoorkonzerns in amerikanischen Händen bleibt er wortkarg. Was er sagt: Man wolle durch die chinesische Übernahme in den Lieferketten, der Produktentwicklung und im Einzelhandel Synergien erschließen. Dabei greife Jack Wolfskin in Deutschland auf die Einzelhandelserfahrung, Digitalisierung und operativen Führungsmodelle der Anta Group zurück. Ingesamt sieht Huang im europäischen und chinesischen Markt wachsende Chancen. Zwar liege der Schwerpunkt in Deutschland, aber man werde die Präsenz auch im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) ausbauen. Personalchefin Aki Arráez Ramón hebt in einem „Paneltalk“ am Abend die Bedeutung der Rhein-Main-Region für das Unternehmen hervor. Hier gebe es ein internationales Umfeld, viele Talente und geeignete Tagungsmöglichkeiten. „Wir befinden uns im Herzen des deutschen Mittelstandes.“ Die Kombination eines deutschen Unternehmens mit einem globalen Partner sei „unschlagbar“. Die neue Identität von Jack Wolfskin wird im Laufe des Abends mehrfach so beschrieben: bodenständig, zugänglich, sympathisch. Denn in den vergangenen Jahren sei nicht mehr klar gewesen, wofür Jack Wolfksin noch stehe, sagt Marketingchef Jason Isenberg: „Die originale Strahlkraft unserer Marke war verblasst. Wir haben unseren Fokus verloren.“ Doch jetzt hätten sie wieder einen „Kompass“ und einen „klar definierten Weg“ gefunden. Neue Concept Stores sollen in München und Garmisch eröffnen Dafür soll die neue Kollektion „Made for further“ stehen, die in Eschborn vorgestellt wird. Die Strategie dahinter: Man will als Wander- und Outdoormarke wahrgenommen werden. Das Gesicht einer Werbekampagne ist Ryan Hosegood. Der kanadische Thru-Hiker hat das Thema Langstreckenabenteuer für sich entdeckt. Er sei bereits mehr als 10.000 Kilometer auf drei Kontinenten gewandert, heißt es. Aufgrund von Gehirnerschütterungen musste er seine Karriere im Leistungssport beenden, wie Hosegood der F.A.Z. sagt. „Das Thru-Hiking ist eine Chance gewesen, mich selbst neu herauszufordern.“ Bislang hat er lange Fernwanderwege wie den Pacific Crest Trail, Te Araroa und den Fishermen’s Trail absolviert. Von April bis Mitte September war der Kanadier in Europa unterwegs, rund 3500 Kilometer. Dabei trug er die neuen Kleidungsstücke von Jack Wolfskin: eine grüne Daunenjacke, eine dunkelblaue Shorts, eine orange Regenjacke und lila-neongrüne Schuhe. Hosegood gefällt die Aufgabe als Werbefigur, er vergleicht die Atmosphäre mit einem Start-up: „Es ist cool, zu sehen, wie die Marke sich verändert und weiterentwickelt.“ Manager Huang betont, dass die Produkte gezielt auf Wanderer zugeschnitten seien. Minimalistisch, leicht, robust, flexibel, geruchsfrei und farbenfroh, so soll Jack Wolfskin rüberkommen. „Die Kunden sollen unsere Marke sofort mit genau jenen Funktionen und Qualitätsmerkmalen verbinden, auf die sie vertrauen können.“ Das werde den zukünftigen Erfolg „maßgeblich prägen“. Erste Concept-Stores werden nun in München und Garmisch-Partenkirchen eröffnet. „Weitere Standorte werden folgen“, sagt Yongchao Huang. Die Geschäfte sind speziell auf Outdoorfans ausgerichtet – dazu gehören ein sogenannter Gear Cave mit Ausrüstungsequipment, ein Reparaturservice und eine Umkleidekabine in Form eines Zeltes („Refugio“). Die neue Unternehmenszentrale in Eschborn soll offiziell Anfang Januar bezogen werden.