FAZ 07.08.2026
16:50 Uhr

Die Höchste Eisenbahn: Auf dem richtigen Gleis


Vielen Dank für diese Fahrt: Die Berliner Band Höchste Eisenbahn macht in der Centralstation Darmstadt Halt.

Die Höchste Eisenbahn: Auf dem richtigen Gleis

Mit der Bahn ist es ja seit einigen Jahren so eine ganz eigene Sache, doch soll es hier nicht um eine weitere Ansammlung von Horrorgeschichten gehen. Und auch nicht um die verhängnisvolle Neigung der Politik, aus falsch verstandener christlich-sozialer Menschlichkeit zielsicher Leute fürs Ministeramt auszuwählen, deren einziges Merkmal es ist, gar nichts zu können. Hier geht es dagegen um vier Musiker, die ganz viel können und vor nun fünfzehn Jahren ein Ding aufs Gleis gesetzt haben, das es in seinem hinreißenden Charme sogar mit Lokomotivführer Lukas und seinem Schnauferl Emma aufnehmen kann: Die Höchste Eisenbahn. Unter diesem Namen präsentiert sich eine heimliche Supergroup des deutschen Indie-Pop mit Beteiligten, die sonst bei Bands wie Tele, Tomte, Kid Kopphausen, Crucchi Gang oder auch solo tätig waren und noch sind, als Eisenbahner aber nicht zur zu Höherem, sondern gar zum Höchsten bestimmt wirken. Davon konnte sich nun das Publikum in der Centralstation Darmstadt überzeugen, wo Die Höchste Eisenbahn in der verdienstvollen Konzertreihe „Merck-Sommerperlen“ zu erleben war. Dabei standen noch nicht einmal die Songs des jüngsten, nach einer mehrjährigen Pause im vergangenen Spätsommer veröffentlichten, wunderbar betitelten Albums „Wenn wir uns wieder sehen, schreien wir uns wieder an“ im Mittelpunkt. Vielmehr boten Moritz Krämer, Francesco Wilking, Felix Weigt und Max Schröder eine Werkschau ihrer mittlerweile vier Platten, deren Songs sich mal melancholisch, mal humorvoll und stets sehr poetisch dem Alltag widmen. Was Krämers und Wilkings Texte aber so sommerbrisenleicht wirken lässt, ist die Musik, die sich die vier zu Liedern wie „Raus aufs Land“, „Timmy“, „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“ oder „Isi“ haben einfallen lassen. Melodisch wie frühe Beatles- oder Jackson-Browne-Songs, mit Indie-Schreng-Schreng-Gitarren-Attitüde präsentiert und von Weigt mit gelegentlichen instrumentalen Kunststückchen an Bass und Keyboard garniert, trifft einen vor allem der mal abwechselnde, mal gemeinsame Gesang von Wilking und Krämer mitten ins Herz. Wilkings lakonischer und Krämers melancholischer Ton ergänzen sich geradezu perfekt, vielleicht nicht so wie bei leiblichen Brüdern, aber auf jeden Fall bei Brüdern im Geiste, was bei beider in Südbaden verbrachter Jugend auch naheliegt. Das hört man sich gerne so lang an, bis man es mitsingen kann, wie es im Lied „Job“ beschrieben wird, und würde es auch länger aushalten, doch nach anderthalb Stunden verlässt diese Bahn leider die Centralstation. Eines ist da längst gewiss: Wer Die Höchste Eisenbahn verpasst, ist auf dem falschen Gleis. Die „Merck-Sommerperlen“ präsentieren im August noch die Bands Sons Of The East (8. August), Mind (15. August), Curse (19. August), Von Wegen Lisbeth (20. August) und The Dead South (23. August).