FAZ 01.10.2026
09:22 Uhr

Business-Ticker: VW will bei Cariad 1000 Stellen abbauen


USA ermitteln wegen Cyberangriffen gegen KI-Entwickler +++ Tippfehler in Trumps Abkommen für „Superintelligenz“ sorgt für Spott +++ Mercedes-Benz reaktiviert Abfindungsprogramm +++ Neuigkeiten im Unternehmen-Liveblog

Business-Ticker: VW will bei Cariad 1000 Stellen abbauen

VW will bei Cariad 1000 Stellen abbauenDie VW-Softwaretochtergesellschaft Cariad steht vor einem größeren Stellenabbau. Konkret geht es um rund 1000 Stellen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen. Betroffen wäre damit knapp ein Viertel der rund 4300 verbliebenen Cariad-Beschäftigten. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet.Bis wann und auf welche Weise die Stellen abgebaut werden sollen, war noch offen. Nun soll mit Arbeitnehmervertretern darüber verhandelt werden. Auch Tarifverträge wurden demnach gekündigt. Ein Cariad-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, soll das Unternehmen die Beschäftigten am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung unter anderem über den Stellenabbau informiert haben. Dieser sei nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu externen Softwareanbietern zu halten, heißt es in Bezug auf Teilnehmer. Dem Bericht zufolge soll das Unternehmen seine Investitionen von 2027 bis 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro kürzen. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts soll Cariad zudem weitere 400 Millionen Euro zur geplanten Verbesserung des operativen Konzernergebnisses beitragen. Der Zukunftsplan des Vorstands, der den Konzern bis 2030 profitabler machen soll, sieht Milliardenkürzungen bei Entwicklungsbudgets und den Abbau Zehntausender Stellen vor.Die Softwarelösungen von Cariad kommen im gesamten VW-Konzern zum Einsatz. Ursprünglich sollte die Tochtergesellschaft große Teile der Software selbst entwickeln. Wegen Problemen bei wichtigen Projekten, die auch den Start einzelner Modelle verzögerten, tauschte der Autokonzern die Cariad-Führung 2023 aus und änderte den Kurs. Anders als sein Vorgänger Herbert Diess setzt VW-Konzernchef Oliver Blume beim Thema Software auf Kooperationen mit externen Partnern wie Xpeng in China oder Rivian in den USA. Cariad fokussiert sich nun unter anderem auf die Eigenentwicklung von Schlüsseltechnologien wie Fahrdynamik-Software, Cloud-Anwendungen und Infotainment-Systeme.Schon in den Vorjahren hat die Softwaretochtergesellschaft mehrfach Stellen abgebaut. Ende 2023 hatte Cariad noch 6500 Beschäftigte. Zuletzt erfolgte der Abbau sozialverträglich über Abfindungen und Vorruhestandsprogramme. Bis 2029 waren betriebsbedingte Kündigungen zuletzt ausgeschlossen.

Lufthansa und Air France-KLM bessern Gebote für TAP nachIm Bieterwettstreit um ​die portugiesische Staatsfluggesellschaft TAP haben die Lufthansa ⁠und Air France-KLM ihre Angebote nachgebessert. Die staatliche portugiesische Holdinggesellschaft Parpublica teilte am ‌Mittwoch mit, sie habe von beiden verbesserte verbindliche Offerten für einen Anteil ‌von 44,9 Prozent ‌erhalten. Die Fluggesellschaften hatten im Juli erste Gebote eingereicht und waren Anfang ​des Monats aufgefordert worden, ⁠diese nachzubessern.Parpublica machte keine Angaben zur Höhe der Offerten. ​Die Holding werde die Angebote nun ⁠prüfen und einen ‌Bericht für die Regierung in Lissabon erstellen. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz zufolge ⁠soll bis Mitte ⁠Oktober eine Entscheidung fallen. Der Gewinner ⁠werde ​dann ⁠strategischer Partner einer der wenigen ​verbliebenen unabhängigen nationalen Fluggesellschaften in ‌Europa.

USA ermitteln wegen Cyberangriffen gegen KI-EntwicklerDie US-Kartellbehörde FTC hat offenbar ​umfassende Ermittlungen gegen die KI-Branche eingeleitet. Führungskräfte von Entwicklern wie OpenAI oder Anthropic ⁠müssten einen Fragenkatalog zu den Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) beantworten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Zahlreiche US-Medien berichten über die Ermittlungen der FTC. Behördenchef Andrew Ferguson habe erste Untersuchungen angeordnet, bevor ‌der Cyberangriff eines außer Kontrolle geratenen KI-Modells auf die Plattform „Hugging Face“ an die Öffentlichkeit kam. Anschließend habe er die Ermittlungen intensiviert. Anthropic und OpenAI ‌waren für eine Stellungnahme zunächst ‌nicht zu erreichen. Die Zeitung „New York Post“ hatte zuerst über die FTC-Initiative berichtet.In den vergangenen Monaten haben sich hochentwickelte KI-Programme – sogenannte KI-Agenten, die Aufgaben weitgehend eigenständig erledigen – wiederholt verselbstständigt. Sie umgingen Sicherheitsvorkehrungen und ⁠drangen in die IT-Systeme Dritter ein. Dies löste eine Debatte über die Risiken dieser Technologie aus. ​FTC-Chef ⁠Ferguson steht KI-Agenten ⁠kritischer gegenüber. Bei einer Reuters-Veranstaltung in der vergangenen Woche sprach er sich dagegen aus, ⁠diese ​Programme ⁠zu vermenschlichen und ihnen einen eigenen Willen ​zuzusprechen. Er deutete stattdessen an, dass die KI-Entwickler ‌für die von ihren Produkten verursachten Schäden zur Verantwortung gezogen werden sollten.

Tippfehler in Trumps Abkommen für „Superintelligenz“ sorgt für SpottDas Weiße Haus hat das „Abkommen für Superintelligenz“ veröffentlicht, das Präsident Donald Trump mit den Chefs von Techkonzernen zur Selbstkontrolle Künstlicher Intelligenz ausgehandelt hat. Spott hagelte es allerdings am Mittwoch wegen eines Tippfehlers: Trump wird darin unter seiner Unterschrift als Präsident der „Unites States“ bezeichnet, richtig wäre „United States“ mit „d“. Zahlreiche Internetnutzer merkten an, dies zeuge nicht gerade von „Superintelligenz“.Das Weiße Haus veröffentlichte das zweiseitige Dokument im Onlinedienst X von Techmilliardär Elon Musk. Musk zählt ebenso zu den Unterzeichnern wie Google-Chef Sundar Pichai, Anthropic-Gründer Dario Amodei, Meta-Chef Mark Zuckerberg, OpenAI-Präsident Greg Brockman und Nvidia-Chef Jensen Huang.

Früherer Chef von Hemdenhersteller Olymp ist totDer frühere Geschäftsführer des Hemdenherstellers Olymp, Eberhard Bezner, ist tot. Der Textilunternehmer sei am Dienstag friedlich zu Hause im Kreis seiner Familie verstorben, teilte das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) mit.1960 hatte er nach dem Tod seines Vaters, Firmengründer Eugen Bezner, im Alter von 24 Jahren die Verantwortung für den damaligen Mittelständler übernommen. Mehrere Jahrzehnte lang führte es das Familienunternehmen und richtete es zu einem immer stärker global agierenden Bekleidungshersteller aus. Heute wird Olymp von seinem Sohn Mark Bezner geführt. 2025 machte das Unternehmen einen Umsatz von 198 Millionen Euro mit 816 Beschäftigten.

Mercedes-Benz reaktiviert Abfindungsprogramm in DeutschlandMercedes-Benz legt sein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in Deutschland neu auf. Das Programm starte voraussichtlich im Dezember, teilte der Autobauer in Stuttgart mit. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.Mercedes habe bereits mit seinem Sparprogramm wichtige Schritte eingeleitet, um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Um die erforderlichen strukturellen Anpassungen weiterhin verantwortungsvoll und sozialverträglich gestalten zu können, werde das freiwillige Abfindungsprogramm in den indirekten Bereichen wiederbelebt. Individuelle Angebote erhielten Tarifbeschäftigte und zum Teil auch Führungskräfte.Weiterhin gelte das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Sowohl die Beschäftigten als auch das Unternehmen müssten einem Ausscheiden zustimmen. Der Autobauer beschäftigt in Deutschland 108 000 Männer und Frauen.Mercedes-Benz will zudem die Arbeitskosten in Deutschland senken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe hatte die Schließung von zwei Werken in Deutschland angedroht, wenn die Kosten in Deutschland nicht reduziert werden. Zuletzt hatte es gegen die Pläne des Managements immer wieder Protestaktionen gegeben.

CTS-Eventim-Finanzvorstand geht nach neun Monaten abruptDer Ticketvermarkter und Konzertveranstalter ​CTS Eventim muss sich zum vierten Mal ⁠innerhalb von sechs Jahren einen neuen Finanzvorstand suchen. Amtsinhaber William Willms verlässt das Unternehmen ‌nach genau neun Monaten mit sofortiger Wirkung, wie CTS Eventim am Mittwoch mitteilte. Der langjährige Finanzchef ‌von Lufthansa ‌Technik war erst zu Jahresbeginn zu CTS gekommen. Eine Begründung für Willms' Ausscheiden gab das Unternehmen ​nicht. Auch seine ⁠Vorgänger waren nicht lange geblieben: Holger Hohrein amtierte von 2023 bis ​September 2025, Andreas Grandinger von April 2020 bis ⁠Ende 2022. ‌Der auf der zweiten Führungsebene für Finanzen zuständige Philipp Knigge soll die Aufgaben von Willms ⁠zunächst interimistisch ⁠übernehmen. Er arbeitet seit neun Jahren für CTS ⁠Eventim.Die ​CTS-Eventim-Aktie ⁠brach nach der Mitteilung ​um sechs Prozent auf 53 Euro ‌ein.

Übernahme von Tegut-Filialen durch Edeka: Monopolkommission warnt vor Folgen für WettbewerbAngesichts der geplanten Übernahme von 178 Tegut-Filialen durch Edeka warnt die Monopolkommission vor den möglichen Folgen für den Wettbewerb. „Die Behörden werden jetzt noch intensiver darauf achten müssen, dass die großen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern“, erklärte der Chef der Monopolkommission, Tomaso Duso, am Mittwoch mit Blick auf die vier großen Einzelhändler Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland. Dem Bundeskartellamt zufolge fallen bereits jetzt mehr als 90 Prozent der Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel auf die vier Unternehmen.Die Monopolkommission erklärte, sie habe in einem Gutachten gezeigt, dass die Konzentration in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen sei – „nicht zuletzt durch Zusammenschlüsse“. Die Übernahme der Tegut-Filialen durch Edeka setze diese Entwicklung fort. Für den Wettbewerb sei es „schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet“, erklärte Duso.Das Bundeskartellamt hatte Edeka am Montag nach eingehender Prüfung die Übernahme von 178 Tegut-Filialen sowie weiterer Unternehmensteile erlaubt. Dafür habe Edeka sich verpflichtet, weitere 24 Tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben, erklärte das Kartellamt.

Kanzleiumsätze durchbrechen Schwelle von elf Milliarden EuroDer Kanzleimarkt in Deutschland ist im Geschäftsjahr 2025 abermals eindrucksvoll gewachsen. Die 100 umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien erwirtschafteten gemeinsam einen Umsatz von mehr als elf Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 5,4 Prozent. Ein respektables Ergebnis in einem Jahr voller Umbrüche, wie der Kölner Branchendienst Juve schreibt, der die finanziellen Kennzahlen des Mixes aus internationalen Großkanzleien, deutschen Sozietäten und spezialisierten Kanzleiboutiquen recherchiert hat.In der am Mittwoch veröffentlichten Analyse fallen zwei Werte besonders auf. Zum einen gelang es den Kanzleien im breiten Marktdurchschnitt, ihre Produktivität nochmals deutlich zu steigern. So erwirtschaftete jeder Anwalt in den Top-100-Kanzleien im Schnitt 712.000 Euro (+6,7 Prozent). Für den deutschen Kanzleimarkt ist das ebenfalls eine neue Bestmarke. Im Gegensatz zu früheren Geschäftsjahren war dieses Wachstum jedoch nicht auf weitere Einstellungen von Anwälten zurückzuführen. Die Zahl der Partner und angestellten Anwälte stagnierte und lag laut Juve bei gut 16.700 Vollzeitstellen. In der Untersuchung heißt es: „Das Marktwachstum entkoppelt sich vom Personaleinsatz.“In der Gruppe der zehn umsatzstärksten Einheiten liegt Freshfields mit 597 Millionen Euro weiterhin an der Spitze, gefolgt von CMS Hasche Sigle mit 445 Millionen Euro und Hengeler Mueller mit 409 Millionen Euro. Den größten Sprung mit einem Wachstum von 10,8 Prozent machte die US-Kanzlei Latham & Watkins mit 279 Millionen Euro. Vergleichbare Zuwächse erzielten die deutsche Großkanzlei Gleiss Lutz mit 10,4 Prozent auf 319 Millionen Euro und die amerikanische Sozietät White & Case mit 9,7 Prozent auf 271 Millionen Euro.Auffällig ist das Wachstum der US-Kanzleien, die häufig höhere Stundenhonorare als ihre deutsche Konkurrenz durchsetzen können und als Berater bei großvolumigen Private-Equity-Deals gesetzt sind: Kirkland & Ellis, die global umsatzstärkste Kanzlei, konnte ihren Umsatz in Deutschland innerhalb eines Jahres um mehr als 55 Prozent auf 123 Millionen Euro steigern. Dies spiegelt sich auch im Umsatz je Berufsträger wider: Lediglich in 18 Kanzleien erwirtschaftet jeder Anwalt einen jährlichen Umsatz von einer Million Euro oder mehr. Bis auf Hengeler Mueller und der britischen Topkanzlei Linklaters gelingt dieses Kunststück nur Anwälten aus US-Wirtschaftskanzleien.

Bericht: Neuer Apple-Chef plant weitreichenden KonzernumbauDer neue Chef des US-Technologiekonzerns Apple erwägt einem Medienbericht zufolge einen weitreichenden Umbau des iPhone-Herstellers. Ziel von John Ternus sei es, den Fokus auf die Entwicklung zu schärfen, Produkte in kürzeren Abständen auf den Markt zu bringen und die ‌Organisation schlanker aufzustellen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Zu den ersten Überlegungen ‌gehöre eine Abkehr ‌vom traditionellen Veröffentlichungszyklus im Frühjahr und Herbst. Zudem sollten Stellen im mittleren Management wegfallen, um die Distanz zwischen den Entwicklern und der Konzernspitze zu verringern. Eine Stellungnahme von Apple lag zunächst nicht vor.Ternus hatte Anfang September die Nachfolge des langjährigen Apple-Chefs Tim Cook angetreten. Dem Bericht zufolge wurden Sparmaßnahmen in dem Konzern bereits in die Wege ‌geleitet, während Ternus nach neuen Einnahmequellen sucht. So habe die Hardware-Sparte begonnen, Stellen im Projektmanagement abzubauen, wovon rund ein halbes Dutzend Direktoren betroffen sei. Zudem gebe es erhebliche Kürzungen bei den Teams für den Sprachassistenten Siri, das Headset Vision Pro und die KI-Softwareentwicklung. Ternus wolle zudem prüfen, wie Künstliche Intelligenz (KI) die ‌Produktentwicklung beschleunigen und Aufgaben von Beschäftigten übernehmen könne.

Haribo baut doch kein neues Werk in NeussAnders als ursprünglich geplant baut der Süßwarenhersteller Haribo doch kein neues Werk in der nordrhein-westfälischen Stadt Neuss. Das Unternehmen teilte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, dass es die Baupläne aufgegeben habe. Zuvor hatte die „Neuß-Grevenbroicher Zeitung“ darüber berichtet.„Seit Planungsbeginn haben sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verändert“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Anhaltende globale Krisen hätten zu Verknappungen bei Baumaterialien und zu deutlichen Preissteigerungen auf den internationalen Märkten geführt. Ein Projekt dieser Größenordnung erfordere Planungssicherheit sowie einen verlässlichen, kalkulierbaren Zeit- und Kostenrahmen. In der Gesamtbetrachtung sei es die wirtschaftlich und unternehmerisch sinnvollere Lösung, die Planungen für den Neubau nicht weiterzuverfolgen.Im Mai 2024 war bekanntgeworden, dass Haribo neben dem bereits bestehenden Werk in Neuss für rund 300 Millionen Euro noch ein weiteres Werk in der Stadt bauen wollte, um dort Maoam-Kaubonbons zu produzieren. Der für 2025 geplante Baubeginn war bislang jedoch nicht erfolgt. Haribo will sich nach eigenen Angaben nun darauf konzentrieren, bestehende Standorte weiterzuentwickeln, darunter auch das Werk in Neuss.

Brauerei Wolters wird geschlossenDie nächste deutsche Traditionsbrauerei schließt für immer ihre Tore: Nur noch bis Ende des Jahres wird bei Wolters in Braunschweig Bier gebraut. Das bestätigte eine Sprecherin der mit dem Insolvenzverfahren beauftragten Kanzlei Eckert. Demnach wurden die rund 90 Beschäftigten am Montagnachmittag über die Schließung des Standortes informiert.Im Sommer hatte die 1627 gegründete Brauerei einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt und das unter anderem mit Absatzrückgängen auf dem deutschen Biermarkt begründet. Zwischenzeitlich hatte Wolters auch nach neuem Kapital gesucht. „Ein entsprechender Investorenprozess für den Produktionsstandort blieb jedoch ohne Erfolg“, teilte die Insolvenzkanzlei nun mit. Zuvor berichtete die „Braunschweiger Zeitung“.Der deutsche Biermarkt war im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie noch nie seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt Anfang Februar berichtet hatte. Im Sommer hatte das Unternehmen als Ziel ausgegeben, den Geschäftsbetrieb grundlegend zu sanieren und sich wirtschaftlich neu aufzustellen. Das Insolvenzverfahren über die Brauerei wurde zum 1. September eröffnet. Die Gewerkschaft NGG kritisierte die kurze Zeitspanne zwischen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und der Entscheidung. „Nach außen betrachtet wirkt dieser Vorgang weniger wie ein geordneter Sanierungsprozess als vielmehr wie eine Vollbremsung.“

Vesuvius im Visier von Weltmarktführer RHI MagnesitaDer österreichisch-brasilianische Spezialist für feuerfeste Produkte RHI Magnesita plant nach Medienberichten, den britischen Konkurrenten Vesuvius für 1,6 Milliarden Euro zu übernehmen. Letzterer bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, seit einem Jahr mehrere unaufgeforderte Angebote erhalten zu haben. Nach britischem Übernahmerecht müsse RHI Magnesita bis zum 27. Oktober sagen, ob man ein formelles Angebot vorlegen wolle. An der Londoner Börse wurden die Vesuvius-Titel am Dienstag zu Mittag für knapp 4,7 Pfund (5,5 Euro) gehandelt – ein Plus von fast 25 Prozent zum Vortagesschlusswert. Nach einem Bericht des österreichischen Magazins „Profil“ soll die schwedische Investmentgesellschaft Cevian Capital, die mit 23 Prozent der Anteile einer der Kernaktionäre von Vesuvius sei, an einem Verkauf interessiert sein. Von RHI Magnesita gab es am Dienstagvormittag keine Bestätigung.RHI Magnesita hatte im vergangenen Jahr rund 3,4 Milliarden Euro umgesetzt und einen Gewinn von 94 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Weltmarktführer für feuerfeste Produkte ging 2017 aus der Fusion der österreichischen RHI mit der brasilianischen Magnesita hervor.

300 Millionen Euro Schaden: Großrazzia wegen Mobiltelefonen Wegen des Verdachts auf millionenfachen Betrug mit online verkauften Handys führen Fahnder eine europaweit angelegte Razzia mit rund 160 Durchsuchungen in 19 Ländern durch, auch in Deutschland. Verbrauchern in der EU entstand schätzungsweise ein Schaden von mindestens 300 Millionen Euro, wie die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) in Luxemburg mitteilte. Es handelt sich demnach um mindestens eine Million verkaufte Handys, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Den Betroffenen seien aus gebrauchten Teilen zusammengesetzte Geräte über das Internet als Neuware verkauft worden. Der Schaden entspricht dem Unterschied zwischen dem gezahlten Preis und dem Wert der Handys. Auf Online-Marktplätzen können sie von Konsumenten in der gesamten EU gekauft werden. Mehr als eine Million Handys „führender Hersteller“ sollen seit 2018 auf diese Weise vertrieben worden sein. Es handele sich um einen Top-Anbieter für Handys im Internet, hieß es. Die Geschäftspraxis, die bis zuletzt weiterlief, soll den Ermittlern zufolge so aussehen: In Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden zunächst Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen zusammengebaut. Dann werden die Geräte gereinigt und neu verpackt in die Niederlande verschickt. Von dort gelangen sie zu Lagern in Deutschland.  Die Kriminellen sollen außerdem über Briefkastenfirmen mit Sitz in EU-Ländern und der Schweiz eine Steuerregelung missbraucht haben. Dadurch sei in mehreren EU-Staaten ein Mehrwertsteuerausfall in Höhe von 30 Millionen Euro entstanden, davon mindestens 25 Millionen Euro in Deutschland, teilte die Behörde weiter mit.  Die Firmen versteuerten demnach unrechtmäßig nur die Gewinnmarge, also die Differenz zwischen dem Einkaufspreis des Artikels und dem Verkaufspreis. Diese Steuerregelung gilt nur für weiterverkaufte Waren, für die schon Mehrwertsteuer entrichtet wurde. Da die Geräte jedoch als Neuware verkauft wurden, wäre die Steuer auf den gesamten Verkaufspreis zu berechnen. Ein Schwerpunkt der Maßnahmen lag in Nordrhein-Westfalen. In Krefeld wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Lagerhalle in einem Gewerbegebiet durchsucht, in der sich nach Schätzungen der dpa etwa 10.000 bis 15.000 Handys befanden. Insgesamt sind nach Angaben der EUStA etwa 1.770 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder an der Aktion beteiligt. Schon am Samstag wurden sieben Verdächtige festgenommen – vier in Deutschland, zwei in Österreich und eine Person in Spanien. Darunter sind demnach auch die zwei mutmaßlichen Anführer der Organisation. Die Behörden ermitteln in dem Fall auch wegen Einfuhrschmuggels, Verstoßes gegen das Markenrecht und der Bildung einer kriminellen Vereinigung. 

 Google legt Beschwerde gegen EU-Anordnung einGoogle hat nach eigenen Angaben Rechtsmittel gegen eine Entscheidung der EU eingelegt, wonach der US-Tech-Konzern seine Daten mit anderen Suchmaschinenbetreibern teilen und sein Betriebssystem Android für rivalisierende KI-Diensten öffnen muss. Die Anordnungen aus Brüssel würden Google dazu zwingen, „die private Suchhistorie von Nutzerinnen und Nutzern ohne ausreichende Anonymisierung offenzulegen und zentrale Sicherheitsfunktionen auf Android zu schwächen“, begründete Googles leitender Direktor für Wettbewerb, Oliver Bethell, am Dienstag den Schritt.Die EU-Kommission hatte die Anordnung im Juli erlassen. Grundlage ist das Gesetz für digitale Märkte (DMA), mit der die Marktmacht der größten Techkonzerne der Welt eingeschränkt werden soll. Die Kommission forderte Google dazu auf, ab Januar 2027 Suchmaschinendaten zu teilen, um „gleiche Wettbewerbsbedingungen wiederherzustellen“. Änderungen an Android sollen im Juli 2027 in Kraft treten. Brüssel äußerte die Hoffnung, dass dadurch Alternativen zu Googles KI-Diensten wie Gemini entstehen könnten.Google hielt dem entgegen, Android sei bereits offen und interoperabel. Die EU-Entscheidung zwinge das Unternehmen, private Suchdaten an andere Firmen weiterzugeben – ohne ausreichende Anonymisierung, ohne Wissen der Nutzer und ohne deren Einwilligung. „Menschen nutzen die Suche für ihre persönlichsten Fragen –  von gesundheitlichen Sorgen bis zu engen Beziehungen – und uns vorzuschreiben, diese persönlichen Anfragen ohne angemessene Schutzmaßnahmen zu teilen, würde der Privatsphäre der Nutzer irreversiblen Schaden zufügen“, monierte Bethell. Die Beschwerde wurde beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg eingereicht.