FAZ 18.05.2026
08:13 Uhr

Business-Ticker: Ryanair wagt trotz Milliardengewinn keine Gewinnprognose wegen Irankrieg


EY-Analyse: Dax-Konzerne mit mehr Gewinn trotz Umsatzrückgang +++ Milliardenschwerer Börsengang von SpaceX rückt näher +++ Bahn-Chefin: Schwarze Null scheint „greifbar nah“ +++ Neuigkeiten im Unternehmen-Liveblog.

Business-Ticker: Ryanair wagt trotz Milliardengewinn keine Gewinnprognose wegen Irankrieg

OMV nimmt den größten österreichischen Gasfund seit 40 Jahren in BetriebDer österreichische Energiekonzern OMV hat die ​Förderung bei seinem größten heimischen Gasfund seit vier Jahrzehnten gestartet. ⁠In der ersten Phase des Projekts Wittau in Niederösterreich sollen elf Terawattstunden Erdgas erschlossen werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. ‌Dies reiche aus, um etwa 100.000 Haushalte zehn Jahre lang zu versorgen. Die Lieferungen aus dem neuen Feld sollen ‌im Winter 2026/27 ‌zur Verfügung stehen. OMV investiert in diesen ersten Schritt rund 150 Millionen Euro.Bei einem vollständigen Ausbau des Feldes, das vor ​drei Jahren entdeckt worden war, könnte ⁠der Konzern seine Gasproduktion in Österreich verdoppeln. Die förderbaren Ressourcen belaufen sich laut OMV ​auf bis zu 48 Terawattstunden. Für die Erweiterung sehe das Unternehmen ⁠ein Investitionspotenzial von rund ‌500 Millionen Euro. 

US-Investor Elliot steigt offenbar bei Sartorius-Großaktionär Bio-Rad einDer US-Investor Elliott hat laut einem Medienbericht eine beachtliche Beteiligung an dem Sartorius-Großaktionär Bio-Rad Laboratories aufgebaut. Der aktivistische Investor wolle den Anbieter von Laborausrüstung und Diagnostikprodukten dazu drängen, etwas gegen seinen mauen Aktienkurs zu unternehmen, berichtet das „Wall Street Journal“ am Sonntagabend (Ortszeit) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.Elliott ist dem Bericht zufolge auch ein bedeutender Investor bei Sartorius. An dem deutschen Labor- und Pharmazulieferer ist Bio-Rad strategisch beteiligt, an den im MDax notierten Vorzugsaktien halten die Amerikaner derzeit rund 28 Prozent. Bei den Stammaktien kommen sie auf rund 38 Prozent. Bio-Rad hält damit an Sartorius auf Basis der Schlusskurse vom Freitag Anteile von insgesamt gut 4,1 Milliarden Euro (rund 4,8 Milliarden US-Dollar). 

Thyssenkrupp schließt Autozulieferwerk in den USADer Industriekonzern Thyssenkrupp steckt tief in einem Spar- und Restrukturierungsprogramm, von dem auch die Autozuliefersparte betroffen ist. Im Zuge dessen hat das Unternehmen am Montag bekanntgegeben, ein Werk in den USA mit 230 Mitarbeitern zu schließen. In Terre Haute im Bundesstaat Indiana produziert Thyssenkrupp Fahrgestelle. Dies solle künftig am Standort Hamilton in Ohio gebündelt werden, der ‌als Produktionsbasis weiterentwickelt und ‌personell gestärkt werden soll. „Ziel ist es, das Nordamerika-Geschäft unter veränderten Markt- und Kundenanforderungen langfristig wettbewerbsfähiger aufzustellen“, schreibt der Konzern in einer Mitteilung. „Die Automobilindustrie verändert sich tiefgreifend“, lässt sich Viktor Molnar, operativer Chef von Thyssenkrupp Automotive Technology zitieren. „Kundenanforderungen, Volumenentwicklungen und Kostenstrukturen erfordern schlankere, fokussiertere und leistungsfähigere Produktionsstrukturen.“ Die Schließung des Standorts in Indiana soll bis spätestens 31. März 2027 vollzogen sein, heißt es weiter. Nordamerika bleibe gleichwohl für Thyssenkrupps Autozuliefersparte „ein wichtiger Markt und Produktionsraum“.

Bahn-Chefin: Schwarze Null scheint „greifbar nah“ Die Deutsche Bahn ist nach Milliardenverlusten laut Konzernchefin Evelyn Palla auf Kurs zur angestrebten Ertragswende. In diesem Jahr könnte demnach unterm Strich kein Verlust mehr stehen und eine „schwarze Null“ erreicht werden. „Es macht sich bezahlt, dass wir die Bahn auf Effizienz trimmen. Eine schwarze Null scheint nach einem halben Jahrzehnt an Milliardenverlusten greifbar nah“, sagte Bahn-Chefin Palla der „Bild am Sonntag“. „Unser internes Verschlankungsprogramm mobilisiert auch die Zahlen Richtung steigender Wirtschaftlichkeit und damit Stabilität.“Für 2025 wies der Staatskonzern unterm Strich einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro aus - rund 0,5 Milliarden mehr als im Vorjahr. Zumindest operativ hat die Bahn wieder schwarze Zahlen geschrieben: Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um 630 Millionen Euro auf plus 297 Millionen Euro, 2026 sollen es etwa 600 Millionen Euro sein. Bei der Bilanzvorlage Ende März hatte Palla gesagt, dann wolle man auch einem positiven Konzernergebnis einen großen Schritt näherkommen. Der Umsatz soll 2026 demnach auf etwa 28 Milliarden Euro steigen nach Erlösen von rund 27 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. 

EY-Analyse: Dax-Konzerne mit mehr Gewinn trotz UmsatzrückgangTrotz eines Umsatzrückgangs haben die 40 Dax-Konzerne im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt ihren Gewinn gesteigert. Während die Erlöse im Schnitt um 3,7 Prozent zurückgingen, stiegen die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,4 Prozent, wie aus einer Analyse des Beratungsunternehmens EY hervorgeht, die der dpa vorliegt. Treiber war vor allem die Finanzbranche mit einem rekordträchtigen Gewinnplus von 15,9 Prozent, während die Industriewerte nur 0,5 Prozent Gewinnsteigerung berichteten.Die höchsten Quartalsgewinne verzeichneten die Deutsche Telekom (5,8 Mrd Euro), die Allianz (4,5 Mrd Euro) und Eon (3,9 Mrd Euro). Einen Quartalsverlust berichteten in der Top-Liga der deutschen Aktiengesellschaften lediglich Zalando und die Porsche Automobil Holding. Besonders starkes Gewinnwachstum schafften Eon, Siemens Energy und der Rückversicherer Munich Re. Sämtliche Autohersteller im Dax mussten Gewinnrückgänge hinnehmen. 

Geht SpaceX schon am 12. Juni an die Börse?Das Raketen- und Satellitenunternehmen SpaceX von Elon ​Musk plant seinen Börsengang angeblich schon für Mitte Juni an ⁠der Technologiebörse Nasdaq. Demnach könnte der Ausgabepreis am 11. Juni festgelegt und der Börsenstart für den 12. Juni anvisiert werden, sagten drei mit dem ‌Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.Damit würde der Zeitplan für den mit Spannung erwarteten Börsengang beschleunigt, der ursprünglich für Ende Juni ‌geplant war. Eine schnellere Prüfung ‌des Börsenprospekts durch die amerikanische Börsenaufsicht SEC habe unter anderem zu der Beschleunigung geführt, hieß es weiter. Die Unterlagen sollen nun schon am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden, ​bevor am 4. Juni die Werbetour vor ⁠Investoren beginnt.

18 Tage, 45.000 Mitarbeiter: Samsung droht historischer StreikIm Tarifkonflikt des südkoreanischen Technologiekonzerns Samsung Electronics könnte es kurz vor der für kommende ​Woche angedrohten Streiks eine Entspannung geben. Das Unternehmen und die Gewerkschaft wollten am Montag die Gehaltsverhandlungen mit einem staatlichen ⁠Vermittler wieder aufnehmen, teilte die Arbeitnehmerorganisation am Samstag mit. Samsung habe zudem, wie von der Gewerkschaft gefordert, seinen Verhandlungsführer ausgetauscht.Die Gewerkschaft hatte einen 18 Tage andauernden Streik ab dem 21. Mai angekündigt, an dem sich Schätzungen zufolge mehr als 45.000 ‌Beschäftigte beteiligen wollten. Samsung ist der weltgrößte Anbieter von Speicherchips und ein wichtiger Auftragsfertiger. Ein Streik würde die weltweiten Lieferengpässe bei Halbleitern verschärfen und damit globale Lieferketten empfindlich treffen.

CEOs von Citigroup und Goldman beraten in Peking mit RegierungsvertreternDie Chefin der amerikanischen Großbank Citigroup, Jane ​Fraser, hat sich am Rande des China-Besuchs von ⁠Präsident Donald Trump mit ranghohen chinesischen Vertretern getroffen. Wie staatliche Medien am Samstag berichteten, sprach sie mit dem ‌Chef der chinesischen Börsenaufsicht und dem Parteisekretär von Peking über eine engere Zusammenarbeit in der Vermögensverwaltung und ‌der grenzüberschreitenden Finanzierung, meldet der Finanzdienst Reuters. ‌Auch der Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Goldman Sachs, David Solomon, traf sich mit chinesischen Offiziellen, wie die Devisenbehörde mitteilte.Fraser war ​Teil einer Delegation amerikanischer Unternehmenslenkerinnen und -lenker, die Trump auf seiner Reise begleitete. Die Anwesenheit von Führungskräften von Unternehmen ​wie Apple, Meta und Boeing unterstreicht die Bedeutung des chinesischen Marktes, ⁠auch wenn die ‌politischen Beziehungen angespannt sind.

Verdi: Mehr als 5000 Beschäftigte im Handel beteiligen sich an Warnstreiks  Im Tarifstreit im Einzel- und Großhandel haben sich am Freitag laut Verdi bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. Gestreikt wurde in Berlin-Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg, wie Verdi in Berlin mitteilte. Bestreikt wurden über 200 Betriebe, darunter Filialen von Edeka, Rewe, Kaufland, Marktkauf, Penny, Douglas, Primark, Zara, H&M, Metro und Ikea.Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro mehr. Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer forderte die Arbeitgeber am Freitag bei einer Kundgebung in Dortmund auf, ein „verhandlungsfähiges“ Angebot zu machen. Das in dieser Woche vorgelegte Angebot sei „skandalös niedrig“.Für Hamburg und Nordrhein-Westfalen hatten die Arbeitgeber laut Handelsverband Deutschland (HDE) eine Lohnerhöhung in zwei Stufen von insgesamt 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren vorgelegt. Im ersten Tarifjahr sollen die Löhne demnach ab 1. November 2026 um zwei Prozent und im zweiten Tarifjahr um 1,5 Prozent steigen. Dies sei ein „Angebot mit Augenmaß“ in der „schwersten Wirtschaftskrise seit 20 Jahren“. Der HDE betonte, aktuell stünden viele Jobs in der Branche auf dem Spiel; seit 2022 seien im Einzelhandel insgesamt rund 73.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Das Risiko für massenhafte Jobverluste sei real. Am Montag finden die nächsten Verhandlungstermine statt: für den Einzelhandel in Hessen und den Groß- und Außenhandel in Nordrhein-Westfalen. 

Peugeots kommen künftig aus China Die französische Traditionsmarke Peugeot lässt ihre Autos künftig auch in China bauen. Der Mutterkonzern Stellantis gab am Freitag bekannt, dass er die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner Dongfeng erheblich ausweiten wolle. Die beiden Unternehmen, die seit mehr als drei Jahrzehnten zusammenarbeiten, wollen Peugeots und zusätzlich Wagen der amerikanischen Marke Jeep nicht nur für den chinesischen Markt herstellen, sondern auch für den weltweiten Export, wie sie betonen. Bei Forschung und Entwicklung wollen die beiden Unternehmen ebenso stärker kooperieren.Stellantis und Dongfeng wollen von 2027 an insgesamt vier neue Fahrzeuge im chinesischen Werk von Wuhan in der Provinz Hubei herstellen. Dabei handelt es sich um zwei neue Peugeots sowie zwei neue Jeeps. Die Peugeots sind eine Limousine und ein großer SUV, die schon auf dem Pekinger Automobilsalon in diesem Jahr vorgestellt wurden. Bei den Jeeps soll es sich um zwei Geländewagen mit Elektro- und Hybridantrieben handeln. Gemeinsam soll umgerechnet eine Milliarde Euro investiert werden, wovon Stellantis 130 Millionen Euro beisteuere, heißt es in der Erklärung. Die beiden Unternehmen betonen dabei auch die positive Rolle, welche die Regierung der Provinz Hubei spiele.Stellantis hatte Anfang des Jahres berichtet, dass die Marke Peugeot zuletzt Absatzrückgänge erlitten habe – nicht zuletzt, weil sich die älteren Modelle Peugeot 208 und Peugeot 308 weniger gut verkauften. In rund einer Woche will Stellantis in den USA einen neuen Strategieplan vorstellen, der den Ausweg aus der aktuellen Krise weisen soll.

Umfrage: Mehr deutsche Unternehmen wollen in Amerika investierenTrotz eingetrübter Konjunkturerwartungen wollen viele deutsche Unternehmen ihre Investitionen in den USA erhöhen. ​41 Prozent der Betriebe mit Standorten in den Vereinigten Staaten wollen ihr Engagement vor Ort ausbauen, wie ⁠die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zu der am Freitag veröffentlichten Umfrage unter mehr als 4500 Unternehmen mitteilte. Im vergangenen Herbst gaben dies nur 26 Prozent an. 35 Prozent planen mit mehr Personal, ‌zehn Prozent mit einer Verringerung (zuvor 19 Prozent). „Die US-Zollpolitik wirkt längst wie ein globales Umlenkungsprogramm für Investitionen und Handelsströme“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Die Firmen suchten nach Stabilität und Planbarkeit.Handelsbarrieren gelten inzwischen als größtes Geschäftsrisiko für ‌die deutschen Betriebe in den ‌Vereinigten Staaten. Diese reagieren auf die höheren Importkosten vor allem mit Preiserhöhungen (68 Prozent) und einer stärkeren Ausrichtung auf lokale Lieferketten und Produktionsstätten (40 Prozent). 15 Prozent wollen ihre Absatzmärkte stärker diversifizieren, um potenziellen Umsatzverlusten entgegenzuwirken.Weltweit habe mehr als jedes zweite deutsche ​Unternehmen mit US-Geschäft bereits auf die amerikanische Handelspolitik ⁠unter Präsident Donald Trump reagiert, die etwa hohe Importzölle von 15 Prozent auf Waren aus der Europäischen Union vorsieht. 15 Prozent wenden ​sich neuen Märkten zu, 14 Prozent reduzieren ihr US-Geschäft. Weitere 18 Prozent konzentrieren sich stärker auf etablierte oder heimische Absatzmärkte. „Der US-Markt ist unter dem Strich durch die Handelspolitik weniger attraktiv für ⁠deutsche Unternehmen – ⁠das gilt vor allem für Exporteure“, sagte Treier. „Das gilt aber auch für die Unternehmen vor Ort, die auf ⁠internationale Lieferketten angewiesen sind.“

LVMH verkauft Modemarke Marc Jacobs an US-Unternehmen Der französische Luxusgüterkonzern LVMH trennt sich nach fast drei Jahrzehnten von der Modemarke ​Marc Jacobs. Käufer ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Markenverwalters WHP Global und der Modefirma G-III Apparel, wie ⁠die Unternehmen in der Nacht zu Freitag mitteilten. Für die Übernahme wollen die beiden US-Unternehmen bis zu 850 Millionen Dollar aufbringen. Das Geschäft soll noch vor Jahresende abgeschlossen werden. G-III werde die ‌Marke weltweit erwerben und verwalten, während WHP die Lizenzvergabe übernehme, hieß es in der Mitteilung.Gründer Marc Jacobs, der das Label 1984 ins Leben rief, wird nach Abschluss der Transaktion als Kreativchef ‌an Bord bleiben. LVMH hatte ‌1997 die Mehrheit an der Marke erworben und Jacobs im selben Jahr zum Kreativdirektor von Louis Vuitton ernannt. Aus einer Pflichtmitteilung geht hervor, dass G-III und WHP jeweils bis zu 425 Millionen Dollar zur Finanzierung ​der Übernahme beisteuern werden. Zu G-III gehören Marken ⁠wie Karl Lagerfeld und DKNY. Die Markenrechte an Marc Jacobs sollen zu gleichen Teilen bei den Käufern liegen.Der Verkauf passt ​zum Bestreben von LVMH, sich in einem schwierigen Marktumfeld auf die Profitabilität zu konzentrieren. Der Luxussektor leidet derzeit unter den ⁠Folgen des ‌Konflikts im Nahen Osten, der den Reiseverkehr beeinträchtigt und die Konsumlaune dämpft. LVMH hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, dass der Krieg im Iran den Konzernumsatz im jüngsten Quartal um mindestens ein Prozent gedrückt habe. 

VW-Betriebsrat: Natürlich bleiben alle Standorte erhaltenDie Gewerkschaft IG Metall und der Volkswagen-Betriebsrat haben Werksschließungen in Europas größtem Autokonzern eine klare Absage ​erteilt. Das werde es mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall nicht geben, erklärten IG-Metall-Chefin Christiane Benner, VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo und der ⁠Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, am Freitag in einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Natürlich bleiben alle Standorte erhalten. Und falls die Geschäftsmodelle dafür absehbar nicht mehr vollständig tragen sollten, müssen eben neue her.“Neue Geschäftschancen in anderen industriellen Feldern ‌kämen dabei allerdings nicht infrage, um bestehende Zusagen aus der Einigung von 2024 zu ersetzen. „Es könnte dabei allenfalls um Ergänzungen gehen – als zusätzliche neue Standbeine für unsere Standorte“, erklärten die drei Arbeitnehmervertreter. Sollten sich derartige Felder auftun, sei es unter dem Konzerndach ‌oder mit externen Partnern, werde das die ‌Arbeitnehmerseite ergebnisoffen prüfen, so wie sie es schon immer getan habe. Dabei seien gute Arbeit, Zukunftsperspektiven und sichere Beschäftigung die Leitplanken. „Was darauf einzahlt, hat unsere vollste Unterstützung. Was dem zuwiderläuft, werden wir auch in Zukunft mit aller Härte bekämpfen.“

Orlopp: Angebot der Unicredit „Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell“Die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Bettina Orlopp, hat in einem Interview das Vorgehen der Unicredit im Übernahmekampf um die deutsche Bank scharf kritisiert.  „Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation“, betonte Orlopp gegenüber der dpa. Die Unicredit war die Commerzbank unter anderem in einer Social-Media-Kampagne scharf angegangen und wurde dafür von der Finanzaufsicht Bafin gerügt. „Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe“, sagte Orlopp. Die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank kontrolliert, hatte Anfang Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Die Großbank mit Sitz in Mailand bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. So will die Unicredit bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, was deutlich teurer wäre. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden. Eine begründete Stellungnahme zum Angebot der Unicredit, das einen Abschlag auf den jüngsten Aktienkurs der Commerzbank vorsieht, will die Commerzbank Anfang nächster Woche vorlegen. „Das Übernahmeangebot der Unicredit ist de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell“, kritisierte Orlopp. Die Commerzbank habe sich nie Gesprächen verweigert. Weitere Gespräche seien allerdings nur dann sinnvoll, „wenn die Unicredit ein Zeichen gibt, dass sie bereit sind, über die Höhe des Angebots an unsere Aktionäre nachzudenken und über das Geschäftsmodell“, sagte Orlopp.