FAZ 11.08.2026
10:14 Uhr

Buchpreis-Longlist: Entdeckungen sind diesmal so gut wie keine dabei


Eine solide Mischung, wenn auch ohne Anspruch auf Überraschungen: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat die Longlist der Nominierten für den Deutschen Buchpreis bekannt gegeben.

Buchpreis-Longlist: Entdeckungen sind diesmal so gut wie keine dabei

Verglichen mit all den anderen Preisen, die mittlerweile den Anspruch „Deutscher“ in ihrer Bezeichnung vor sich hertragen – als gäbe es daneben in diesem Land oder gar Sprachgebiet gar nichts anderes –, hat der Deutsche Buchpreis derzeit die geringsten Probleme. Der Deutsche Verlagspreis hat dank des inhaltlichen Mitwirkungswillens des aktuellen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Staatsministers Wolfram Weimer, bereits eine gespaltene Jury, bevor die überhaupt erstmals getagt hatte; ob der Deutsche Buchhandlungspreis, den derselbe Herr in diesem Jahr nach Kräften diskreditiert hat, noch einmal verliehen wird, muss abgewartet werden; und der Deutsche Sachbuchpreis leidet unter geringer öffentlicher Aufmerksamkeit. All diese Probleme hat der Deutsche Buchpreis nicht. Er ist in seiner Wirkung und im reibungslosen Ablauf des Geschehens zuverlässig wie eh und je. Heute hat die siebenköpfige Jury ihre Nominierungen für die diesjährige Longlist des meistbeachteten und auch verkaufsförderndsten hiesigen Buchpreises bekannt gegeben. Die 20 Titel aus den 180 eingereichten Romanen (eine relativ niedrige Zahl für diesen Preis) sind in alphabetischer Reihenfolge nach deren Autoren: Shida Bazyar: Die Lücken (Kiepenheuer & Witsch)Helene Bukowski: Wer möchte nicht im Leben bleiben (claassen)Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter (Hanser)Muri Darida: King Cobra (dtv)Alisha Gamisch: Parasiti (Voland & Quist)Franziska Gänsler: Orca (Kein & Aber)Tomer Gardi: Liefern (Tropen)Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle (S. Fischer)Elias Hirschl: Schleifen (Paul Zsolnay)Svenja Leiber: Nelka (Suhrkamp)Leh-Wei Liao: Glaszeit (Luchterhand)Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens (Galiani Berlin)Giuliano Musio: Aus anderem Holz (Luftschacht)Yade Yasemin Önder: Anti Müller (park x ullstein)Lukas Rietzschel: Sanditz (dtv)Ingo Schulze: Das Wasser im August (S. Fischer)Heinz Strunk: Memories of Heidelberg  (Rowohlt)Karosh Taha: Gulistan (Dumont)Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen (Aufbau)Dana Vowinckel: Anton und Alma (Suhrkamp) Entdeckungen sind diesmal so gut wie keine dabei. Immerhin ist mit Giuliano Musio endlich einmal der höchst engagierte Wiener Verlag Luftschacht vertreten. Mit Helene Bukowski ist jemand aus dem Kreis der fünf Finalisten des Leipziger Buchpreises vom Frühjahr berücksichtigt, und mit der Nominierung von Lukas Rietzschels „Sanditz“ will man offenbar wiedergutmachen, was in Leipzig an diesem Titel versäumt wurde, der dort nicht einmal unter die Nominierten gelangte. Mit S. Fischer und dtv sind lediglich zwei Verlage jeweils zweimal vertreten, an kleinen Häusern gibt es neben Luftschacht nur noch Voland & Quist zu vermelden, mit Abstrichen (oder besser: Zugaben) könnte man da auch noch Kein & Aber aus Zürich nennen. Die Frühjahrstitel sind etwas stärker vertreten als die aus dem Herbst (elf zu neun). Und ganz klar in der Mehrheit (13) sind Schriftstellerinnen. Zwei frühere Buchpreis-Gewinner kommen mit ihren neuen Büchern erst so knapp vor der Frankfurter Buchmesse heraus, dass ihre Romane keine Berücksichtigung finden konnten: Lutz Seiler und Martina Hefter. In ihrer Abwesenheit sind die Favoriten schnell bestimmt: Shida Bazyar an erster Stelle, aber auch Valeria Gordeev, Elias Hirschl und Heinz Strunk. Und wird etwas vermisst? Natürlich, etwa Norbert Gstrein mit „Im ersten Licht“, der in Leipzig leer ausging. Aber die 20 verbliebenen Romane sind eine solide Mischung, wenn auch ohne Anspruch auf Überraschungen.