Mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent hat Hessen im ersten Halbjahr 2026 bundesweit das größte Plus erzielt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Summe der im ganzen Land produzierten Waren und Dienstleistungen, stieg mit 0,9 Prozent nur halb so stark, wie das Statistische Landesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Beide Wachstumsraten beziehen sich auf den Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 und sind preisbereinigt, der rein durch die Inflation bedingte Anstieg ist aus den Zahlen also herausgerechnet. Ohne diese Bereinigung liegt die hessische Wachstumsrate bei fünf Prozent, die gesamtdeutsche bei 3,7 Prozent. 2025 war die hessische Wirtschaftsleistung leicht zurückgegangen, das Bundesland schnitt damals im innerdeutschen Vergleich schlecht ab. Dass sich dies nun umgekehrt hat, ist nach Angaben des Statistischen Landesamtes vor allem auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen. Der sei nach vorläufigen Daten stärker gewachsen als im Bundesschnitt. Zudem haben Dienstleistungen in Hessen ein besonderes Gewicht: Drei Viertel der hessischen Wertschöpfung entfallen den Statistikern zufolge auf diesen Sektor. Die größten Banken meldeten Rekordergebnisse „Der Finanzplatz profitiert von den höheren Zinsen, und der Flughafen erholt sich“, sagte Paul Richter, Analyst für Regionalanalysen bei der Landesbank Helaba, der F.A.Z. Sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank haben für das erste Halbjahr Rekordergebnisse veröffentlicht. Auch das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank, meldete ein kräftiges Wachstum im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025. Am Frankfurter Flughafen blieb das Passagieraufkommen zwar leicht hinter dem Vorjahresniveau zurück, an den von Fraport im Ausland betriebenen Flughäfen stiegen die Passagierzahlen aber, sodass auch der Konzernumsatz leicht zulegte. „Der KI-Boom dürfte Hessen ebenfalls nützen“, sagte Helaba-Analyst Richter. „Das Rhein-Main-Gebiet ist in Deutschland der wichtigste Standort für Rechenzentren, auch Anbieter von Softwarelösungen sind hier stark vertreten.“ Nach Angaben des Statistischen Landesamtes hat auch die Wertschöpfung in der hessischen Industrie stärker zugelegt als im Bundesschnitt. Die Umsätze des verarbeitenden Gewerbes in Hessen stiegen einer früheren Mitteilung zufolge im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent. Zwar setzte sich nach den bislang veröffentlichten Zahlen der Stellenabbau in der Metall- und Elektroindustrie fort, nicht zuletzt wegen der Krise in der Autobranche. Im Wirtschaftszweig „sonstiger Fahrzeugbau“ ist die Zahl der Beschäftigten aber gestiegen – was mit der vermehrten Produktion von Militärfahrzeugen zusammenhängen könnte: In Kassel wurden für die Panzerwerke von Rheinmetall und KNDS Hunderte von Stellen ausgeschrieben. Auch in der Chemieindustrie zeichnete sich nach jahrelangen Umsatzrückgängen zuletzt eine leichte Stabilisierung ab. Die Einfuhr von Basis-Chemikalien aus Asien sei wegen der Blockade der Straße von Hormus zurückgegangen, sodass diese Grundstoffe wieder verstärkt bei hiesigen Anbietern eingekauft würden, heißt es aus der Branche. Im Bauhauptgewerbe lagen die Umsätze im ersten Halbjahr dieses Jahres ebenfalls rund vier Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Nach Einschätzung Richters schlagen sich in den Zahlen auch die steigenden Infrastrukturausgaben der öffentlichen Hand nieder.
