FAZ 10.09.2026
11:47 Uhr

Bakterielle Erkrankung: Regenfäule auch in Deutschland


Eine juckende Hautkrankheit breitet sich offenbar in Europa aus. Erste Fälle sind auch aus Deutschland bekannt, Saunen gelten als mögliche Übertragungsorte.

Bakterielle Erkrankung: Regenfäule auch in Deutschland

In Deutschland breitet sich die Regenfäule aus. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat 17 Fälle dokumentiert, die zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 ein Labor in Berlin festgestellt hat. Die Proben kamen von Männern aus Berlin und Brandenburg. Die Regenfäule ist eine Infektionskrankheit, die eigentlich nur Tiere bekommen können. Tiermediziner nennen die Erkrankung auch Regenekzem, sie betrifft vor allem Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Ihren Namen trägt sie, weil sich die auslösenden Bakterien vor allem bei feuchtem Wetter ausbreiten. Bei dem Erreger handelt es sich um Dermatophilus congolensis, er ist weltweit verbreitet und kann als Zoonose von Tieren auf Menschen übertragen werden. Weltweit nimmt die Zahl der Infektionen zu, wie europäische und amerikanische Seuchenbehörden mitteilen. Nach Angaben des Europäischen Seuchenkontrollzentrums (European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC) gab es in diesem Jahr bis zum 20. August Meldungen von Regenfäule bei Menschen in zehn europäischen Ländern. Die meisten Infektionen verliefen demnach mild. Da dies aber ein im Vergleich zu Vorjahren sehr hoher Wert ist, gehen die Infektionsexperten davon aus, dass das Bakterium auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Juckende Pocken auf der Haut Die Symptome sind juckende Hautpocken, die Bläschen können krustig oder schuppig überdeckt sein. Untersuchungen der deutschen Proben haben ergeben, dass die Betroffenen Männer im Alter von durchschnittlich 45 Jahren waren, die mit anderen Männern Sex hatten. Die meisten Betroffenen berichteten laut den Behörden, dass sie während der Inkubationszeit in der Sauna gewesen waren, bei einem Großteil der genannten Saunen habe es sich um sogenannte sexpositive Einrichtungen gehandelt. Auch aus Barcelona und Lyon wurden Infektionen bei Männern gemeldet, die mit Männern Geschlechtsverkehr hatten. Den Seuchenermittlern zufolge ist der sexuelle Kontakt oder eine Exposition in Saunen als Übertragungsweg plausibel. Ärzte und Behandler sollten aufmerksam sein. Die Meldungen erinnern an die Pandemie mit dem Mpox-Virus, die im Jahr 2022 unter anderem in Berlin für viele Infektionen sorgte: Auch hier war ein eigentlich nur bei Tieren auftretender Erreger auf Menschen übergesprungen und hatte sich zunächst vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben, ausgebreitet. Die ersten größeren Epidemien folgten auf große Rave-Veranstaltungen, die Infektionen häuften sich dann aber weltweit, und auch Frauen und Kinder waren betroffen. Damals hatten die Behörden zu besonderer Vorsicht aufgerufen und die vor allem betroffenen Männer zu einer Impfung aufgerufen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im August 2024 wegen der Ausbreitung einer neuen Mpox-Variante eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite ausgerufen, sie wurde im September 2025 aufgehoben. Einer Analyse zufolge, die im Januar dieses Jahres publiziert wurde, führten allerdings nicht die Impfungen zu einem Abflauen der Pandemie – sondern Verhaltensänderungen und zum Teil auch eine natürlich erworbene Immunität in der betroffenen Community. Für die sich ausbreitende Regenfäule gilt nun: Männer, die nach einem Saunagang oder Sex mit anderen Männern einen juckenden Hautausschlag bemerken, sollten diesen von einem Arzt abklären lassen. Das ECDC betont darüber hinaus, dass das Infektionsrisiko für die allgemeine Bevölkerung niedrig ist.