FAZ 08.03.2026
16:37 Uhr

Aufklärungsdaten für Iran: Trump redet Putins Hilfe für Teheran klein


Moskau will das Regime in Teheran stützen, ohne Trump zu verprellen. Die Führung in Washington hält sich mit Kritik an Russland zurück.

Aufklärungsdaten für Iran: Trump redet Putins Hilfe für Teheran klein

Donald Trump schwieg einige Tage über Berichte, wonach Russland Iran im Krieg mit den Vereinigten Staaten mit Aufklärungsdaten unterstützt. Am Samstag wurde der amerikanische Präsident dann danach gefragt. Als Antwort spielte er die Angelegenheit herunter, ohne sie zu bestätigen. Man wisse nicht, ob Moskau dem Regime in Teheran Standortinformationen über amerikanische Stellungen zur Verfügung stelle. Wenn sie es tun, helfe es Iran nicht sehr, sagte Trump mit Verweis auf die Erfolge des amerikanischen Militärs. Auch der Sondergesandte Steve Witkoff, der sowohl vor Kriegsausbruch indirekt mit der iranischen Seite verhandelt hatte als auch Gespräche zur Beendigung des Ukrainekrieges führte, blieb kurz angebunden. Auf die Frage, ob er die russische Seite aufgefordert habe, den Iranern keine Aufklärung zur Verfügung zu stellen, sagte er, das habe er sehr deutlich getan. Auf die Nachfrage, ob Moskau es trotzdem tue, erwiderte er nur, er hoffe, dass sie es nicht machten. Auch ein CIA-Standort wurde angegriffen Die „Washington Post“ hatte in der vergangenen Woche mit Bezug auf namentlich nicht genannte amerikanische Regierungsvertreter berichtet, dass Russland Iran unter anderem Satellitenbilder mit den Standorten amerikanischer Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge zur Verfügung gestellt habe. Der Umfang der Aufklärung für das Regime in Teheran sei noch nicht geklärt, es sehe aber nach ziemlich intensiven Bemühungen aus, wurde ein Regierungsvertreter zitiert. Sechs amerikanische Soldaten wurden schon am zweiten Kriegstag bei einem iranischen Drohnenangriff in Kuwait getötet und mehrere verletzt. Teheran hat amerikanische Ziele seit Kriegsbeginn mit Tausenden Drohnen und Hunderten Raketen angegriffen. Neben militärischen Stützpunkten wurde auch ein CIA-Standort an der amerikanischen Botschaft in Riad angegriffen. Amerikanische Kriegsschiffe wurden noch nicht angegriffen. Die russischen Aktivitäten im Irankrieg würden die Beziehungen Washingtons zu Moskau weiter komplizieren, auch mit Blick auf die Bemühungen der Trump-Regierung, den Ukrainekrieg zu beenden. Der Präsident bemühte sich, die Angelegenheit kleinzureden: Moskau würde sagen, „wir machen es ja auch mit ihnen“, sagte er mit Blick darauf, dass Washington Aufklärungsdaten mit Kiew teilt. Diese spielen für die ukrainische Seite im russischen Angriffskrieg eine Schlüsselrolle. Hochauflösende Satellitenbilder helfen den Verteidigern dabei, Stellungen und Truppenansammlungen zu erkennen. Die amerikanischen HIMARS-Raketenwerfer, welche die Ukrainer effektiv gegen die Invasoren einsetzen, verfügen zudem über eine automatische Echtzeiterfassung von Zielen. Russland will eine Eisenbahntrasse durch Iran bauen Die soll deaktiviert worden sein, als die Amerikaner Kiew nach dem Eklat während des Antrittsbesuchs von Wolodymyr Selenskyj bei Trump Anfang 2025 bestraften. Seinerzeit mussten die Verteidiger ihre Ziele selbst aufklären, mit eigenen Drohnen im Grenzgebiet, und die Koordinaten dann selbst eingeben. So wie vermutlich jetzt iranische Einheiten die russischen Daten benutzen, um die Ziele ihrer eigenen Raketen und Drohnen zu programmieren. Für Putin geht es dabei aber um mehr als darum, die amerikanische Hilfe für Kiew zu vergelten. Er hat ein starkes Interesse daran, das Regime in Teheran zu stützen. Iran ist politisch wie wirtschaftlich ein wichtiger Partner. Russland will eine Eisenbahntrasse durch Iran an den Persischen Golf bauen, den sogenannten Nord-Süd-Korridor, das Atomkraftwerk Buschehr erweitern und ein weiteres bauen. Es gibt vielfache Geschäfte im Rohstoff- und im Rüstungsbereich. All das wäre nach einem Regimewechsel in Teheran fraglich. Doch sind Moskaus Möglichkeiten, Iran militärisch zu unterstützen, wegen des eigenen Krieges beschränkt. Die vollzogenen Rüstungsgeschäfte der vergangenen Jahre beträfen Waffen wie Scharfschützengewehre, gepanzerte Fahrzeuge und Kampfhubschrauber, die bei inneren Unruhen, aber nicht gegen einen Angriff von außen sinnvoll eingesetzt werden können, hob der exilrussische Iran-Fachmann Nikita Smagin im Gespräch mit der F.A.Z. hervor. Die Lieferung moderner russischer Su-35 Kampfflugzeuge an Iran ist zwar vereinbart worden, doch habe sich Moskau damit „nicht beeilt“. Die russischen S-300-Flugabwehrsysteme, mit denen Iran einst wichtige Objekte schützte, seien schon im vergangenen Jahr zerstört worden, und im Krieg gegen die Ukraine schöpfe Russland seine Herstellungskapazitäten für den Eigenbedarf aus. Russland bekennt sich nicht zu Militärzusammenarbeit Am ehesten käme die Militärhilfe bei Drohnen in Betracht. Hier begann die Zusammenarbeit beider Länder im Herbst 2022 mit der Lieferung iranischer Kampfdrohnen an Russland, die dort alsbald nachgebaut und verbessert wurden. Laut Medienberichten wurden nun in einer Drohne, die am 1. März im Libanon gestartet wurde und den britischen Militärstützpunkt Akrotiri auf Zypern angriff, russische Komponenten entdeckt. Doch auch in diesem Bereich dürfte Russlands enormer Eigenbedarf im Angriffskrieg die Möglichkeiten begrenzen, die iranischen Partner entscheidend zu unterstützen. Zugleich wirkt Putin weiterhin bemüht, ein gutes Verhältnis zu Trump zu wahren. Dies mit Blick auf mögliche Vorteile im Ringen mit der Ukraine und dem Westen. Trump soll die Ukrainer im Rahmen der trilateralen „Friedensgespräche“ zwingen, den Invasoren Gebiete kampflos zu überlassen, die sie weiterhin nicht erobern können. Früher hätte Moskau Aufrufe nach einem Umsturz in Teheran, wie sie jetzt Trump äußert, und erst recht die Tötung des Obersten Führers Ali Khameneis wütend als „Farbenrevolution“ eines aggressiven „Hegemons“ gegeißelt. Über die Aussetzung der Ukraineverhandlungen sagte Kremlsprecher Dimitrij Peskow dieser Tage, es sei „klar“, dass die amerikanischen „Verhandler, deren Rolle wir sehr schätzen“, nun „mit anderen Angelegenheiten beschäftigt sind. Wir sind in diesem Fall voller Geduld.“ Auch die russische Unterstützung bei den Aufklärungsdaten wird von Moskau bisher weder bestätigt, noch dementiert. Peskow ließ eine Frage nach dem aktuellen Stand der Militärzusammenarbeit zwischen Russland und Iran, die das Abkommen über eine strategische Partnerschaft Anfang 2025 beider Länder bekräftigt hat, unbeantwortet, sprach nur vage von „Dialog mit der iranischen Seite“. Offiziell beschränkt sich Putin darauf, Iran politisch zu unterstützen. Am Freitagabend telefonierte er mit Präsident Massud Peseschkian, sprach diesem „noch einmal sein tiefes Beileid im Zusammenhang mit dem Mord“ an Khamenei sowie mit Blick auf die zahlreichen zivilen Opfer der „bewaffneten israelisch-amerikanischen Aggression gegen Iran“ aus. Russland, hieß es, fordere ein unverzügliches Ende der Kämpfe und eine politisch-diplomatische Lösung.