FAZ 23.09.2026
15:01 Uhr

Armeechef al-Burhan: USA verwehren Sudans Machthaber Reise zu UN


Die USA wollen Abd al-Fattah al-Burhan dazu zwingen, einer Waffenruhe mit der paramilitärischen RSF zuzustimmen. Der UN-Generalsekretär zeigt sich „zutiefst besorgt“.

Armeechef al-Burhan: USA verwehren Sudans Machthaber Reise zu UN

Die amerikanische Regierung hat Sudans De-facto-Staatschef Abd al-Fattah al-Burhan offenbar die Anreise zur Generalversammlung der Vereinten Nationen verweigert. Medienberichten zufolge wurde ihm bis Dienstag kein Visum ausgestellt. Burhan ist mehrmals bei dem Treffen in New York aufgetreten, zuletzt vor zwei Jahren. Die USA wollen den Militärmachthaber dazu bringen, einem amerikanischen Vorschlag vom Sommer zuzustimmen, der eine dreimonatige Waffenruhe in Sudan vorsieht. In dem ostafrikanischen Land wird seit mehr als drei Jahren ein brutaler Machtkampf zwischen der Burhan unterstehenden regulären Armee (SAF) und den paramilitärischen „Schnellen Unterstützungskräften“ (RSF) ausgetragen. Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums teilte am Dienstag mit, weder die SAF noch die RSF samt ihren jeweiligen Anführern „stehen für eine legitime, verfassungsmäßige Regierungsführung in Sudan“. Die USA seien bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, der ein ernsthafter Partner für Frieden ist. „In der Zwischenzeit werden wir uns bemühen, die Kosten des anhaltenden Konflikts für alle Konfliktparteien und die Netzwerke, die den Konflikt schüren, zu erhöhen.“ Guterres äußert sich besorgt Die USA hätten beide Seiten mehrmals aufgefordert, einen humanitären Waffenstillstand ohne Vorbedingungen zu akzeptieren, hob der Sprecher hervor. Leider hätten sie stattdessen ihre Angriffe noch verstärkt. Die vom Militär kontrollierte sudanesische Regierung hat Vorschläge für eine Waffenruhe bislang zurückgewiesen. Sie fordert, die RSF müssten sich erst aus Städten zurückziehen, die sie seit April 2023 unter ihre Kontrolle gebracht haben. In einem am Montag in der Zeitschrift „Foreign Policy“ veröffentlichten Artikel bekundete Burhan seinen Willen, den Krieg zu beenden. Zugleich mahnte er, die RSF dürften international nicht als „gleichwertiger Partner“ behandelt werden. Auch zu externen Initiativen für eine Waffenruhe und einen politischen Dialog äußerte er sich zurückhaltend bis ablehnend. Ein „von außen aufgezwungener Frieden ist nicht von Dauer“, schrieb Burhan. Dahinter steht die bei SAF und RSF vorherrschende Haltung, keine Zugeständnisse zu machen. Beide Seiten setzen darauf, den Gegner militärisch zu bezwingen. Sudans UN-Botschafter beschwerte sich bei Generalsekretär António Guterres über das Burhan verwehrte Visum. Guterres sei über den Vorgang „zutiefst besorgt“, sagte sein Sprecher. Er fordere die USA auf, ihren Verpflichtungen gegenüber den UN nachzukommen. Laut dem Hauptquartier-Abkommen von 1947 sind die USA grundsätzlich verpflichtet, Vertretern von UN-Mitgliedstaaten die Anreise nach New York zu gestatten. Sie haben aber wiederholt Visa verweigert. So hat Washington in diesem Jahr abermals dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas die Teilnahme an der Generalversammlung verwehrt.