FAZ 18.03.2026
10:13 Uhr

Abstimmung in Trient: Benito Mussolini bleibt Ehrenbürger


„Große Bitterkeit und tiefe Enttäuschung“: Der Stadtrat von Trient lehnt die Aberkennung der 1924 verliehenen Auszeichnung für Mussolini ab.

Abstimmung in Trient: Benito Mussolini bleibt Ehrenbürger

Benito Mussolini bleibt Ehrenbürger der Stadt Trient in Norditalien. Bei einer geheimen Abstimmung hinter verschlossenen Türen kam im Stadtrat der Hauptstadt der autonomen Provinz Trentino in der Nacht zum Mittwoch nicht die erforderliche Mehrheit von vier Fünfteln der Stimmen für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft für den Duce zustande. Den Antrag hatten Vertreter der linken Parteien eingebracht, die in der Universitätsstadt mit knapp 120.000 Einwohnern traditionell die Mehrheit im Magistrat wie auch den Bürgermeister stellen. An der Abstimmung nahmen 30 der 40 anwesenden Ratsmitglieder teil. 28 stimmten für den Antrag, zwei enthielten sich. Damit wurde die erforderliche Mehrheit von 32 Stimmen recht deutlich verfehlt. „Große Bitterkeit und tiefe Enttäuschung“ Man nehme das Abstimmungsergebnis „mit großer Bitterkeit und tiefer Enttäuschung“ zur Kenntnis, teilten Vertreter der regierenden Mitte-links-Koalition im Magistrat mit. Zwölf Ratsmitglieder hätten die Entscheidung, bei der geheimen Abstimmung in der nicht öffentlichen Sitzung ihre Stimme nicht abzugeben oder sich zu enthalten, „auf unterschiedlichste und phantasievollste Weise begründet“ oder sich der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema gänzlich entzogen. Die Befürworter der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft hatten argumentiert, eine den Werten der Demokratie und des Antifaschismus verpflichtete Stadt wie Trient dürfe den Diktator Mussolini nicht länger in dieser Weise ehren. Kritiker der Maßnahme sprachen von reiner Symbolpolitik und dem Versuch, „die Geschichte umzuschreiben“. Aus der rechtskonservativen Partei Fratelli d’Italia, die von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni geführt wird, hieß es zur Begründung der faktischen Enthaltung, „der Faschismus gehört der Vergangenheit an, und unsere Partei schaut ohne jegliche Nostalgie die Zukunft“. Während der Herrschaft Mussolinis von 1922 bis 1943 wurde dem Duce von Hunderten Städten und Gemeinden die Ehrenbürgerschaft verliehen. In Trient erfolgte dies 1924. Anders als Trient entschied das Städtchen Salò am Gardasee im Streit um die Ehrenbürgerschaft und entzog im Februar 2025 dem Duce den Ehrentitel. Auch Salò hatte Mussolini schon 1924 den Titel eines „cittadino onorario“ verliehen. Salò war in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs besonders eng mit Mussolini verbunden, weil die von Hitlerdeutschland eingesetzte Marionettenregierung der sogenannten „Italienischen Sozialrepublik“ des Duce von September 1943 bis Ende April 1945 dort ihren Sitz hatte. Mussolini wurde am 28. April 1945 von italienischen Partisanen gestellt und erschossen, als er sich in die Schweiz abzusetzen versuchte. Sein Leichnam wurde später kopfüber an einer Tankstelle in Mailand aufgehängt. Bis heute halten Dutzende Städte und Gemeinden in Italien – eine genaue Zahl ist nicht bekannt – an der Ehrenbürgerschaft für Mussolini fest.