FAZ 04.10.2026
14:24 Uhr

(+) Gastland Tschechien: Die Mittelstadt als literarisches Experiment


12 deutschsprachige Autoren schreiben eine Anthologie über das provinzielle Tschechien. Das Ergebnis bringt mitunter Drastisches hervor, zeigt aber auch Erwartbares und die eigene Ahnungslosigkeit.

(+) Gastland Tschechien: Die Mittelstadt als literarisches Experiment

Einen Monat wohnen, schreiben, etwas in Erfahrung bringen: den Ort, eine Geschichte, das war das Ziel. „Jenseits von Prag“ sollte das sein,  denn über Prag sei ja schon genug geschrieben worden – und Prag sei nicht gleich Tschechien. Aber was ist denn Tschechien? Jihlava, Ústí nad Labem, Pardubice, Ostrava, Liberec, Karlovy Vary, Plzen, Olomouc, Hradec Králové, Brno, Zlín und České Budějovice hießen jene Städte, die nun bereist worden sind. „Warum war ich in Zlín? Wieso ich mich darauf eingelassen hatte, war mir selbst schleierhaft“, schreibt Mirko Bonné. Anderen scheint es ähnlich gegangen zu sein.

Ein „Tatort“ dauert 90 Minuten. In „Explosive Mischung“ mit Lena Odenthal und Johanna Stern vollzieht sich die Story in dieser Zeitspanne. Sie erzählt von einem Bankräuber, verlorenen Jugendlichen und häuslicher Gewalt.

Was als wahr, gerecht oder normal gilt, hat sich über Jahrhunderte immer wieder verschoben. Nun steht der nächste große Umbruch an – getrieben von Algorithmen, behauptet Mads Pankow.

Einfühlung ist etwas Schönes, aber wenn die Figuren real waren, möchte man doch wissen, woher ihre Meinungen im Roman kommen. Irina Slot geht da bei der Bauhaus-Künstlerin Marguerite Friedlaender wenig glücklich vor.

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