FAZ 15.08.2026
07:50 Uhr

(+) Der Fall Wenders: Warum eine Verpixelung angemessener gewesen wäre


Wim Wenders hat zugesagt, die Nacktszene mit Nastassja Kinski aus dem Film „Falsche Bewegung“ herauszuschneiden. Das ist ein Mittel des analogen Zeitalters. Auch eine digitale Bearbeitung wäre möglich gewesen.

(+) Der Fall Wenders: Warum eine Verpixelung angemessener gewesen wäre

Der Film „Falsche Bewegung“ von Wim Wenders war bei seiner Premiere im Jahr 1976 2823 Meter lang, das entsprach einer Dauer von 103 Minuten. Seit Ende Juli ist bekannt, dass in Zukunft eine Szene von zwei Minuten nicht mehr Teil des Films ist. Die Schauspielerin Nastassja Kinski, die darin mit entblößten Brüsten zu sehen ist, hat sich jahrelang bemüht, diese Bilder aus dem öffentlichen Verkehr zu ziehen – sie war bei den Dreharbeiten 13 Jahre alt. Nach einigem Zögern hat nun auch Wim Wenders eingesehen, dass er gegen den Anspruch von Nastassja Kinski keine Gründe geltend machen kann. Die künstlerische Integrität seines Werkes ist in diesem Fall nachrangig gegenüber dem Missbrauch, der in der Szene dokumentiert ist – auch wenn dieser während der Dreharbeiten nicht so begriffen wurde und man damals die Signale der jungen Darstellerin überging. Kinski konnte sich erst später bemerkbar machen, und Wenders hat auf ihre jahrelangen Bemühungen mit einem Rückzugsgefecht reagiert, das nun mit einer von Anwälten vermittelten Einigung zu Ende ging, die auf die vollständige Entfernung der zwei Minuten hinausläuft.

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