Reddig war stellvertretender Vorsitzender der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission, die im Juni Vorschläge zur Reformierung des Systems vorgelegt hatte. Heute früh warb er noch einmal dafür. Das Versorgungsniveau in Ost- und Westdeutschland werde durch einen Systemwechsel perspektivisch besser,
sagte Reddig im Deutschlandfunk
. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren schaffe Spielraum etwa für die Kapitalrente. Dadurch werde künftig das Rentenniveau auch für Menschen in Ostdeutschland wieder steigen können. Der CDU-Politiker warnte vor Rosinenpickerei. Alle Vorschläge der Rentenkommission hingen zusammen.
Fratzscher: Sonst ist die Rentenreform "tot"
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, hält die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren für unverzichtbar. Sie sei das finanziell wichtigste Element der geplanten Rentenreform. Ohne dieses Element wäre die Rentenreform tot, sagte er der "Rheinischen Post". Im Zuge einer Abschaffung seien pro Rentnerjahrgang schätzungsweise knapp zehn Milliarden Euro an langfristigen Einsparungen und 125.000 zusätzliche Beschäftigte zu erwarten, führte Fratzscher aus.
"Rente mit 63" derzeit ab 64,5 Jahren möglich
Die CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Kretschmer, Schulze, und Voigt, hatten vergangene Woche gefordert, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren weiterhin zu ermöglichen. Aktuell ist der frühere Renteneintritt ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich. Zur Begründung verwiesen die drei Regierungschefs auf ostdeutsche Erwerbsbiografien. Jede Veränderung im gesetzlichen System wirke in Ostdeutschland "fast ungebremst", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Denn Betriebsrenten seien in Ostdeutschland selten, und viele Ostdeutsche hätten in den vergangenen Jahrzehnten nicht ausreichend private Vorsorge betreiben können. Daher sei die gesetzliche Rente oft die einzige Säule der Alterssicherung.
Brandenburgs Ministerpräsident Woidke (SPD) schloss sich den Forderungen von Kretschmer, Schulze und Voigt an. Die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern, Schwesig (SPD), hatte sie schon früher erhoben.
Söder überrascht, Bas fordert Klärung
Der CSU-Vorsitzende und Bayerns Ministerpräsident Söder warnte davor, das Maßnahmenpaket zur Reformierung des Rentensystems wieder aufzuschnüren. Er erinnerte im ARD-Fernsehen daran, dass Union und SPD zugesichert hätten, die Empfehlungen der Rentenkommission 1:1 zu übernehmen. Den Vorstoß der ostdeutschen Ministerpräsidenten bezeichnete Söder als "etwas überraschend".
Die SPD-Vorsitzende Bas rief die Union auf, ihre Position intern zu klären. Wenn CDU und CSU das Paket aufschnüren wollten, würden sich die Sozialdemokraten nicht dagegen sträuben, sagte sie im ZDF. Im Juni hatte Bas die Vorschläge der Rentenkommission noch als "Gesamtkunstwerk" bezeichnet. Auch jetzt warb sie dafür, dass das Paket insgesamt "zusammenbleiben sollte". Diskussionen in Einzelfragen könne es jedoch schon noch geben.
Die abschlagsfreie "Rente mit 63" wurde 2014 von der großen Koalition eingeführt. Federführend war damals Bundesarbeitsministerin Nahles (SPD).
Rentenreform:
Vorstoß der Ost-MPs könnte Schwachstelle ausgleichen
Diese Nachricht wurde am 03.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
